Nomophobie, Phantomanrufe, Whats-App-Daumen

Serie: Die Tücken moderner Kommunikation (Teil 1)

„Oh, neiiiiiiin! Das darf doch nicht wahr sein! Ich bin aufgeschmissen!!!“ Das müssen damals die Worte gewesen sein, die mir durch den Kopf gingen an diesem eigentlich so herrlichen Juli-Sonntagmorgen. Was war geschehen? Vor ziemlich genau zwei Jahren war es plötzlich nicht mehr da: mein unentbehrliches Smartphone. Denn das, worin es üblicherweise steckte, war auch nicht mehr da. Meine geliebte blaue Kaputzenjacke mit dem lustigen Schmetterling vorn drauf hing einfach nicht an diesem verdammten Gaderobenhaken. Beides war weg, Jacke und Handy. In der U-Bahn vergessen. Ich fühlte mich, als hätte ich jeglichen Kontakt zur Außenwelt verloren. Jeder, der sein Handy schon mal verloren oder verlegt hat, wird meine Gefühlslage nachvollziehen können. Man fühlt sich leer, ist irgendwie panisch.

Nomophobie:

Manchmal reichen nur zwei Sekunden, in denen man denkt, man habe das Handy verloren, um derartige Gefühle hervorzurufen. Die Briten haben dafür sogar ein Wort gefunden. „Nomophobie“ nennt es sich und steht für die Abkürzung des englischen Begriffs „no mobile phone phobie“. Erstmals tauchte das Kunstwort 2008 in einer Studie des UK Post Office auf, in der unter anderem untersucht wurde, wie viele Menschen unter der Angst leiden, ohne Mobiltelefon zu sein. Damals lag der Anteil der Betroffenen noch bei 53 Prozent. In einer Folgestudie aus dem Jahr 2012 des Forschungsinstituts One Poll erhöhte sich die Anzahl auf 66 Prozent. Am stärksten sind demnach 18- bis 24-Jährige betroffen. 77 Prozent von ihnen leiden unter dem Phänomen. Sage und schreibe rund 34 Mal pro Tag checkt ein Nomophobie-anfälliger Mensch sein Mobilgerät, ob Wichtiges auf dem Bildschirm erscheint.

Ich gebe zu: Ich leide an Nomophobie. Überall habe ich mein Smartphone dabei. Ständig schaue ich drauf, ob eine Nachricht eingegangen ist. Ich wette, wenn ich mal mitzähle, komme ich locker über die 34 Mal am Tag aus der Studie, die ein Nomophobieanfälliger Mensch auf sein Mobilgerät guckt. Und manchmal denke ich sogar, mein Handy klingelt, obwohl es das gar nicht tut. Und schon kommen wir zu Kommunikationsphänomen Nummer zwei: den Phantomanrufen.

Unsere Serie: Insgesamt zwölf skurrile Kommunikationsphänomene stellen wir euch hier im Blog in den kommenden Wochen vor. Ihr werdet überrascht sein, welche Tücken Smartphone, Tablet, 3D-TV und Co. so für den Nutzer mit sich bringen.

Phantom-Anrufe:

Und das hat es mit den so genannten Phantom-Anrufen auf sich: Der Mobiltelefonbesitzer greift hektisch zum Smartphone, weil er meint, es vibriert oder klingelt. Dabei ist weder ein Anruf noch eine Nachricht eingegangen. Mir passiert das auch immer wieder. Ich bin nicht die einzige, die mit diesem Phänomen zu kämpfen hat. 25 Millionen deutsche Handynutzer ab 14 Jahren – oder 39 Prozent, sprich mehr als jeder Dritte – nehmen Phantom-Anrufe wahr. Das ergab eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom aus dem Jahr 2013. In einer Umfrage zwei Jahre zuvor sagten das nur 31 Prozent. Männer berichten dabei häufiger (42 Prozent) von Phantom-Anrufen als Frauen (36 Prozent), Jüngere unter 30 Jahren (50 Prozent) öfter als Senioren (20 Prozent).

Psychologen erklären Phantom-Anrufe zum einen mit der Sehnsucht nach menschlichem Kontakt, zum anderen mit der Anpassung an den ständigen Erreichbarkeitsanspruch der heutigen Gesellschaft. Blinder Alarm ist demnach vielen Handynutzern lieber als ein verpasster Anruf. Gegen Phantom-Anrufe kann man zum Glück etwas tun: Wenn es im Kopf oder in der Tasche vermeintlich läutet, raten Experten dazu, das Mobiltelefon öfter auf lautlos zu stellen. Den Vibrationsalarm sollte man nur dann einschalten, wenn man einen besonders wichtigen Anruf erwartet. Zu guter Letzt hilft es auch, einen einzigartigen Klingelton zu wählen, der nicht so leicht mit anderen verwechselt werden kann.

Whats-App-Daumen:

Man nennt ihn auch SMS- oder Touch-Daumen. Gemeint mit diesen Begriffen ist eine Entzündung der Sehnen des Daumens. Die zieht man sich zu, wenn man mit dem Daumen das Handy oder Tablet einseitig oder extrem häufig bedient und und so das Daumensattelgelenk zu stark beansprucht. Die folgenden Schmerzen können bis ins Handgelenk ausstrahlen und eine Sehnenscheidenentzündung hervorrufen. Hier habe ich Glück gehabt. Offensichtlich tippe ich recht moderat auf meinem Handy herum, denn vom Whats-App-Daumen bin ich bisher verschont geblieben. Wer allerdings vom Whats-App-Daumen betroffen ist, sollte frühzeitig handeln. Bei beginnenden Schmerzen empfehlen Mediziner, sofort eine Tipp-Pause einzulegen. Ist die Entzündung schon weiter fortgeschritten, können Salbenverbände mit entzündungshemmenden Wirkstoffen hilfreich sein. Genauso hilft es, das Handgelenk mit einer Bandage ruhigzustellen.

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