Der Kindle im Test

Vor kurzem hat der Internethändler Amazon den neuen Kindle E-Book-Reader vorgestellt. Es ist der erste E-Book-Reader von Amazon, der eine deutsche Benutzerführung hat. Für einen Preis von gerade einmal 99 Euro ist er zudem der günstigste Kindle, den es je gab. Allerdings wurden dafür auch einige Abstriche gemacht. Welche und ob sich der Kauf des neuen Kindle lohnt, das lest ihr in unserem Testbericht.

Der Vorteil eines E-Book-Readers

Wer über den Kauf eines E-Book-Readers nachdenkt, wird sich unter Umständen fragen, ob sich der Kauf lohnt. Man könnte genauso gut mit seinem Smartphone oder einem Tablet, etwa dem iPad, Bücher lesen. Der größte Vorteil des E-Book-Readers liegt allerdings in seinem E-Ink Display, welches ohne Hintergrundbeleuchtung auskommt. Das Lesen mit dem E-Book-Reader ist augenschonend und vergleichbar mit dem Lesen eines Buches. Bei einem Smartphone oder Tablet kann das Lesen auf Dauer hingegen belastend sein. Zudem ist es nicht ganz vergleichbar mit dem Lesen eines Buches.

Der Vorteil eines E-Book-Readers gegenüber einem Buch liegt in der Platzersparnis. Zum einen spart man sich die Regalflächen, bei den steigenden Mietpreisen ein nicht zu unterschätzender Faktor, zum anderen kann man leicht Bücher mit sich tragen, die normalerweise aufgrund ihres Umfangs eher für unterwegs nicht geeignet wären. Das Lesen mit dem E-Book-Reader ist also auch sehr komfortabel. Auch im Liegen lässt sich damit sehr gut lesen, da man nicht wie beim Buch die Seiten aufhalten muss. Man kann den E-Book-Reader sehr gut mit einer Hand halten und bedienen. Jeder, der einen Vorbehalt gegenüber der neuen Technik hat, sollte dieser zumindest eine Chance geben und es einfach mal ausprobieren.

Fast vergessen: E-Books sind in der Regel auch günstiger als ihre Papier-Kompagnons. Wer viel Bücher kauft, freut sich über jede Ersparnis.

Der Kindle ist auf dem Weg

Nach gut drei Tagen Wartezeit kam der Kindle endlich gut verpackt in einem eigenen speziellen Versandkarton. Das ist gut, denn so gibt es schon mal weniger Verpackungsmaterial und die Umwelt wird geschont. Nach dem Öffnen des Kartons offenbarte sich auch gleich der Kindle und freute sich darauf entdeckt zu werden.

Der erste Eindruck

Beim ersten in die Hand nehmen, fällt sofort auf, wie leicht der neue Kindle ist. Er ist rund 30 % leichter als das Vorgängermodell und wiegt nur noch 170 Gramm. Im Gegensatz zum früheren Kindle, den es übrigens auch immer noch zu kaufen gibt, besitzt der Kindle keine physische Tastatur mehr. Dadurch ist auch der Kindle insgesamt kleiner geworden. Am 6 Zoll großen E-Ink Display hat sich allerdings nichts geändert. Unterhalb des Displays befinden sich einige Buttons und ein Steuerkreuz.

Durch die neue Leichtigkeit und die kleinere Größe liegt der neue Kindle noch besser in der Hand. Das Gehäuse ist komplett aus Plastik, was aber zu keiner Zeit billig wirkt. Im Gegenteil, wer schon einmal einen E-Book-Reader aus Metall hatte, weiß wie unangenehm dies gerade im Winter an den Fingern sein kann. Der Kindle macht im ersten Moment einen sehr guten Eindruck.

Den Kindle näher betrachtet

Der Power-Button befindet sich an der unteren Seite des Kindle neben einem Micro-USB-Anschluss, der zum Laden des Kindle benötigt wird. Das 6 Zoll große E-Ink Display wird von einem etwa  1-2 cm breiten grauen Rahmen umgeben. Dieser ermöglicht es den Kindle angenehm in der Hand zu halten. Ob man ihn in der linken oder rechten Hand hält, ist dabei egal, denn an beiden Seiten befinden sich entsprechende Vor- und Zurückblättern-Tasten.

Vor- und Zurückblättern mit dem Kindle

Diese Blättern-Tasten sind meiner Ansicht nach allerdings nicht optimal platziert. Zum einen trifft man sie nicht immer sofort und muss dann unter Umständen die andere Hand zur Hilfe nehmen, zum anderen stört es, dass die Tasten auf der linken Seite die gleiche Funktion wie auf der rechten Seite haben. Mir passiert es dadurch häufiger, dass ich auf der linken Seite vorwärts blättere, obwohl ich eigentlich zurückblättern wollte. Um zurückzublättern muss man die obere kleinere der beiden Blättern-Tasten betätigen. Dies  ist nicht wirklich intuitiv. Besser wäre es gewesen, wenn man rechts nur die Vorblättern-Taste und links die Zurück-Blättern-Taste gehabt hätte. Alternativ hätte man dies auch in den Einstellungen als Option verankern können.

Nun gut, mit der Zeit gewöhnt man sich auch an diese Bedienung. Die meiste Zeit blättert man beim Lesen vorwärts und dann ist die Bedienung vollkommen in Ordnung.

Die untere Navigation beim Kindle

Unterhalb des Displays befinden sich vier Buttons und ein Steuerkreuz mit einem Bestätigungsbutton. Der linke Button ermöglicht es einen Schritt zurückzugehen, der zweite Button dient dazu die virtuelle Tastatur anzuzeigen, der dritte Button zeigt das kontextsensitive Menü an und der vierte Button ist der Home-Button, der einen zurück zum Startbildschirm wechseln lässt. Mit dem Navigationskreuz in der Mitte kann man die Bücher auswählen, durch den Kindle-Shop navigieren oder die virtuelle Tastatur bedienen.

Die Bedienung mit den Buttons und dem Steuerkreuz ist sehr intuitiv und geht leicht von der Hand. Egal wo man sich gerade befindet, ein Druck auf den Menü-Button zeigt einem jederzeit ein passendes Menü mit entsprechenden Optionen an. Und auch die Auswahl von Inhalten mit dem Navigationskreuz ist sehr gut gelöst. Man vermisst zu keiner Zeit einen Touchscreen.

Ein Manko könnte für viele die nicht mehr vorhandene Tastatur sein, die in den vorherigen Kindle-Geräten vorhanden war. Allerdings habe ich diese bisher zu keiner Zeit vermisst, da ich den Kindle vor allem zum Lesen benutze und nicht, um damit meine Notizen zu verwalten. Und auch im Kindle-Shop lässt sich mit dem Navigationskreuz und der virtuellen Tastatur sehr schnell das finden, was man sucht. Zugunsten des Gewichts und der Größe des Kindle verzichte ich daher gern auf die Tastatur.

Das E-Ink Display beim Kindle

Bei dem Display vom Kindle handelt es sich um ein hochwertiges Pearl E-Ink Display. Die Pearl-Displays sind die derzeitig besten E-Ink Displays auf dem Markt, wurden bereits bei dem Vorgängermodell verwendet und werden auch bei den aktuellen Sony E-Book-Readern verwendet.

Das Pearl E-Ink Display ist sehr kontraststark und ermöglicht einen schnellen Wechsel der Seiten. Texte und Buchstaben werden sauber angezeigt. Da E-Ink Displays von Hause aus immer einen gewissen Grauton im Hintergrund besitzen, sie sind also nie ganz weiß, ist das graue Plastik des Kindle, das das Display umgibt, nicht ganz optimal gewählt. Wer schon einmal einen schwarzen Sony E-Book-Reader in der Hand gehalten hat, der wird feststellen, dass einem das Display kontraststärker vorkommt, obwohl es sich eigentlich um die gleiche Display-Technologie handelt. Dies ist einfach dem Umstand geschuldet, dass sich ein Kontrast in Abhängigkeit zu seiner Umgebung darstellt. Unten findet man einen Farbverlauf mit einem grauen Balken.

Obwohl der graue Balken keinen Farbverlauf besitzt, wirkt der graue Balken vor dem dunklen Hintergrund heller. Genau diese Täuschung findet auch beim Kindle statt. Hier wäre ein schwarzer Kindle mit Sicherheit die bessere Wahl gewesen, da der Kontrast so noch stärker ausgefallen wäre.

Der Kindle baut nach jeder fünften Seite das Display komplett neu auf, indem er das Display für einen Bruchteil einer Sekunde komplett schwarz darstellt. Dies kann dazu führen, dass man noch die Schriftzeichen der vorherigen Seite leicht sieht. Hierfür hält Amazon allerdings ein Software-Update parat, dass die Option bietet, das Display nach jedem Seitenwechsel komplett neu aufzubauen. Mich persönlich stört das allerdings nicht, da man schon sehr genau hinschauen muss, um sich daran zu stören.

Bücher einkaufen im Kindle-Shop

Der Kindle hat einen festen verbauten Speicher von zwei Gigabyte, der sich auch nicht erweitern lässt. Die zwei Gigabyte Speicher bieten ausreichend Platz für ungefähr 1.400 Bücher. Das sollte für die meisten reichen. Bei Amazon gekaufte Kindle-Bücher werden zudem auf Dauer bei Amazon zwischengespeichert. So kann man sich leicht eine Sammlung von mehreren tausend Büchern aufbauen, die man nach Bedarf einfach an seinen Kindle per E-Mail verschickt. Und für Nicht-Kindle-Bücher stehen weitere fünf Gigabyte virtueller Speicher bei Amazon zur Verfügung. So kann man PDF-Dateien oder MOBI-Dateien lesen, die man nicht bei Amazon gekauft hat.

Tipp: Mit dem kostenlosen Dienst SENDtoREADER lassen sich Website-Artikel ganz einfach aus dem Browser heraus an den Kindle senden. So lassen sich interessante Blog-Artikel oder andere Websites einfach an den eigenen virtuellen Speicher bei Amazon senden, der dann automatisch mit dem Kindle synchronisiert wird. Der Kindle hält dann die Artikel beim nächsten Lesen parat. Sehr genial und ein großer Pluspunkt gegenüber anderen E-Book-Readern, bei denen man meist erst mühsam eine Synchronisation über eine auf dem Computer verwaltete Library durchführen muss.

Bücher lassen sich entweder vom Computer oder direkt vom Kindle kaufen. Der Kindle benötigt nur ein WLAN, damit man sich im Kindle-Shop umsehen kann. Das Navigieren innerhalb des Kindle-Shops mit dem Navigationskreuz ist sehr einfach und man kommt schnell zum Ziel. Zum einen helfen einem die verschiedenen Kategorien und die Bestseller-Listen beim Auffinden der richtigen Literatur, zum anderen wird beim Suchen unter Verwendung der virtuellen Tastatur eine Liste von möglichen Suchanfragen vorgeblendet. Das heißt, hat man ersteinmal die ersten Buchstaben eingeben, wird einem meist bereits der richtige Treffer angezeigt und man braucht diesen dann nur noch bestätigen.

Der deutsche Kindle-Shop umfasst bereits tausende von Büchern. Wer will kann allerdings auch im amerikanischen Angebot nach Büchern stöbern, das wesentlich umfangreicher ist und viele Bücher noch günstiger anbietet. Mit Hilfe eines Wörterbuchs, das zum einen bereits im Kindle enthalten ist, zum anderen sich aber auch jederzeit durch andere Wörterbücher ersetzen lässt, ist das Lesen englischsprachiger Literatur auch gleich noch viel einfacher. Wenn man ein Wort nicht versteht, wählt man dieses einfach mit dem Steuerkreuz aus und bekommt je nach ausgewähltem Wörterbuch eine englische Definition oder eine deutsche Übersetzung angezeigt.

Welcher Kindle soll es sein?

Der neue 99-Euro-Kindle hat weniger Speicher und eine geringere Akkulaufzeit als sein Vorgängermodell. Der unter dem Namen Kindle Keyboard angebotene alte Kindle lässt sich immer noch im deutschen Amazon-Shop bestellen. Allerdings reichen die zwei Gigabyte Speicherplatz in den meisten Fällen vollkommen aus, wie man auch weiter oben lesen kann und zum anderen ist auch die Akkulaufzeit wirklich gut. Ich habe den Kindle jetzt gut zwei Wochen täglich im Einsatz und musste ihn bisher nicht einmal laden. Die Batterie-Anzeige zeigt mir immer noch eine Ladung von gut einem Viertel an. Bücher und Artikel, die ich nicht lese oder schon gelesen habe, wandern bei mir ins Archiv, befinden sich dann also gar nicht mehr auf dem Kindle und werden nur nach Bedarf nachgeladen. So komme ich mit dem Speicherplatz von 1.400 Büchern gut klar.

Lediglich die 3G-Funktion könnte man vermissen. Der Kindle Keyboard 3G lässt sich auch von unterwegs über das Mobilfunknetz mit neuen Büchern versorgen. Allerdings kann ich meinen Urlaub gut im Voraus planen, so dass ich mir frühzeitig die Bücher kaufe, die ich lesen möchte. Früher konnte ich auch nicht jederzeit Bücher nachkaufen, wenn ich unterwegs war und war auf meine ein bis zwei Bücher angewiesen, die ich dabei hatte. Insofern benötige ich die 3G-Funktionalität nicht dringend. In den meisten Fällen hat man sowieso ein WLAN-Netz in der Umgebung und kann dieses dann nutzen.

Fazit meines Tests mit dem Kindle

Anfangs habe ich gezögert, ob ich nicht auf den Kindle Touch (ein weiterer von Amazon angekündigter E-Book-Reader) warten soll. Ich mag es generell die beste Technik zu haben und gebe ungern Geld aus, um mich dann mit etwas Schlechterem zufrieden zu geben. Im Falle des Kindle bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der 99-Euro-Kindle genau das Gerät ist, was ich haben will, da es alle Funktionen besitzt, die ich im täglichen Einsatz benötige. Und bis jetzt habe ich meine Entscheidung auch nicht bereut.

Lediglich der graue Rahmen bietet Anlass für Kritik. Hier hätte Amazon besser auf einen dunkleren Rahmen setzen sollen, um den Kontrasteindruck weiter zu erhöhen. Wie man auch in verschieden Diskussionsforen liest, ist das auch für andere Besitzer teilweise etwas störend. Das Lesen vom Kindle-Display wirkt teilweise etwa so wie das Lesen von einem Buch mit grauem Recycling-Papier.

Insofern wäre der Kontrasteindruck aufgrund des hellen grauen Rahmens gegebenenfalls doch ein Grund zum Kindle Keyboard zu greifen. Der alte Kindle Keyboard ist bereits ab 119 Euro erhältlich, für 159 Euro bekommt man den Kindle Keyboard sogar mit 3G-Funktionalität. Man muss sich dann aber auch darüber bewusst sein, dass man ein höheres Gewicht in der Hand hält und dies kann auf Dauer schon ganz schön ermüdend sein.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem neuen Kindle und werde diesen auch behalten. Wer einen guten E-Book-Reader sucht, findet im neuen Kindle ein gutes Gerät. Besonders die Anbindung an den E-Book-Store von Amazon war einer der Hauptgründe mich für den Amazon Kindle zu entscheiden. Mein Gesamtfazit fällt somit sehr positiv aus.

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