Smart Home – ein Statusbericht

Die Vorstellung, dass wir unser Zuhause von unterwegs steuern können, hat bereits vor einigen Jahren gleichermaßen Begeisterung wie Ängste bei den Verbrauchern hervorgerufen. Damals war „Smartes Wohnen“ noch ein abstrakter Begriff. Im Blogartikel „Intelligentes Wohnen“ haben wir euch 2012 vorgestellt, wie das traute Heim der Zukunft aussehen könnte. Viele der Szenarien waren damals schon möglich, aber beim Endverbraucher noch nicht angekommen. Wie sieht das heute aus?

Die Stimmung unter den Verbrauchern

Smart Home, Heimvernetzung oder Intelligentes Wohnen – es gibt zahlreiche Begriffe für diese technische Entwicklung. Im Kern steht ein vernetztes Zuhause mit intelligenten Geräten, die zu mehr Sicherheit, Lebensqualität oder einer effizienteren Energienutzung beitragen sollen. Die Geräte können häufig aus der Ferne mit dem Smartphone oder Tablet gesteuert werden und reagieren auf Sensoren oder Daten aus dem Internet oder von anderen Geräten. Laut einer Bitkom-Umfrage von 2015 ist 65 Prozent der Deutschen „Smart Home“ ein Begriff. Der Branchenverband hat ebenso nachgefragt, welche Anwendungen sich Verbraucher vorstellen können. Zwei Trends werden hier deutlich: zum einen das Thema Sicherheit im eigenen Heim und damit Antworten auf Fragen wie „Ist die Wohnungstür verschlossen?“ oder „Habe ich den Herd ausgemacht?“ Zum anderen geht der Trend in Richtung Senioren. Ein Großteil der Befragten äußerte sein Interesse an Uhren zur Messung von Vitalfunktionen wie Blutdruck, Blutzucker oder Puls, wobei im Notfall Angehörige oder der Notdienst informiert werden. Ähnlich beliebt waren Sensoren im Boden, die erkennen, wenn jemand stürzt und umgehend Angehörige informieren. 30 Prozent der Deutschen nutzen bereits Smart-Home-Anwendungen, so der Smart Home Monitor 2016. Doch es gibt auch Bedenken: 20 Prozent lehnen die Nutzung ab. Wesentlich hierfür sind die hohen Kosten für die Anschaffung, den Einbau und Betrieb der Anwendungen sowie die Unsicherheit hinsichtlich Datenschutz und die Inkompatibilität der Hersteller untereinander.

Die Marktentwicklungen

Lange Zeit konnte sich das Thema „Heimvernetzung“ nicht so richtig etablieren. In den letzten zwei Jahren hat es jedoch Fahrt aufgenommen. Hersteller der verschiedensten Branchen bringen in kurzen Abständen immer mehr smarte und vernetzbare Geräte auf den Markt. Die stärksten Entwicklungen gibt es in den Bereichen Entertainment, Beleuchtung, Haushalt, Gesundheit und Fitness, Sicherheit und Energiesparen. Von einer Marktdurchdringung sind wir in Deutschland jedoch noch weit entfernt. Interessenten sind durchaus da, aber nun gilt für Hersteller und Händler, diese in Kunden zu verwandeln. In dem unübersichtlichen Markt ist es wichtig, die Möglichkeiten verbraucherfreundlich aufzubereiten und die Bedenken abzubauen. Denn der Einstieg ins Smart Home ist gar nicht so kostspielig, wie viele glauben, sondern auch mit alten Geräten möglich. Relativ kostengünstig können diese vernetzt und upgegradet werden. Einen ersten Schritt in Richtung Verbraucherfreundlichkeit hat Media Markt gemacht. Um sich im Wirrwarr der Angebote und Möglichkeiten zurechtzufinden, hat das Unternehmen das Ratgebermagazin smart-wohnen.de aufgebaut. Es muss nicht gleich ein ganzes Magazin sein, aber den Kunden bei dem Thema zur Seite zu stehen, lohnt sich langfristig sicher.

Smart-Living-Systeme – ein paar Beispiele

Immer mehr Einzelkomponenten wie auch ganze Systeme kommen auf den Markt. Apple hat mit Homekit bereits 2014 sein eigenes System zur Haussteuerung vorgestellt. Mittlerweile bieten verschiedene Hersteller kompatible Smart-Home-Geräte an. Homekit ist keine einzelne App, sondern eine übergreifende Plattform und funktioniert mit iPhone, iPad und iPod touch. Wer die Funktionen von unterwegs steuern möchte, braucht einen aktuellen Apple TV. Die Smart-Home-Komponenten steuert der Nutzer über Apples Sprachassistent Siri. Neben spontanen Befehlen wie „Schalte das Licht ein“ oder „Stelle die Temperatur auf 20 Grad“ lassen sich auch ganze Szenarios speichern. So kann zum Beispiel angegeben werden, dass die Heizung im Bad um 6 Uhr morgens eingeschaltet wird, aber nur, wenn ein Bewohner zuhause ist.

Auch das Hamburger Startup Protonet hat eine Smart-Home-Zentrale entwickelt. Das Interesse an dem Produkt namens Zoe ist groß, wie die dazugehörige Crowdfunding-Kampagne zeigt. Mit Zoe lassen sich intelligente Komponenten wie Glühbirnen, Thermostate oder Türöffner verbinden und beispielsweise via WLAN oder Bluetooth steuern. Wie auch bei Apple funktioniert das über einen Sprachassistenten. Der Server von Zoe steckt in einem sechseckigen, flachen Gehäuse, das an der Wand befestigt werden kann. Mit austauschbaren Platten lässt es sich in jedes Raumdesign einfügen. Wird Zoe in mehreren Räumen verwendet, kann der Aktionsradius mit sogenannten Voice Drops erweitert werden.

Bei der diesjährigen CeBIT wurden zwei weitere Systeme vorgestellt. Swipe von Fibaro wird wie ein Bild aufgestellt, an der Wand befestigt oder sogar hinter Materialien befestigt. Per Handbewegung lassen sich Lichter einschalten, Rollos hoch- und runterfahren oder definierte Szenen starten.

Das Smart Living System Naon hat integrierte Sensoren und kümmert sich um gute Luftqualität, um die Heizung, Licht und vieles mehr. Auch wenn sich die Systeme in Kompatibilität und Funktionen etwas unterscheiden, haben sie dennoch eins gemeinsam: Sie wurden entwickelt, um den Alltag zu erleichtern und den Verbrauchern mehr Zeit und Sicherheit zu geben. Ob sich Verbraucher gleich ein ganzes Smart-Home-System anschaffen oder ihre Technik mit einzelnen Komponenten nur aufrüsten möchten – wichtig ist, dass Hersteller und Handel beratend zur Seite stehen auf dem Weg ins eigene Smart Home.

1 Kommentar

  1. Nicolai Meyer on

    Ich kenne Smarthome von der Telekom. Hier wird das gerne mit den DSL Verträgen als Kombination angeboten. Die Frage ist hierbei, braucht der Endkunde das wirklich?
    Es ist eine neue Technik, die für viele sicherlich interessant ist, ich denke jedoch nicht, das es langfristig Erfolg haben wird. Besonders Interessant ist, das man es mit der App von seinem iPhone steuern kann.

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