Pokémon Go, Go, Go!

Seit ich mich 1999 das erste Mal virtuell mit dem Gameboy durch die Welt der Pokémon spielte und nach langer Reise durch die Kanto-Region schließlich Pokémon-Champion wurde, stand mein Berufswunsch fest: Pokémon-Trainer. Leider machte mir die Realität, wie so oft, einen Strich durch die Rechnung. Denn zu meinem größten Bedauern, gehörten Pokémon leider nicht zu den Lebewesen, die unsere schöne Erde bevölkerten, weshalb ich mich karrieretechnisch leider umorientieren musste. Aber das könnte sich bald ändern. Denn schon in naher Zukunft, genauer gesagt 2016, soll es mit der Smartphone App Pokémon Go möglich sein möglich sein, Pokémon auch in der realen Welt zu fangen, zu tauschen und zu trainieren. Okay… ich sage „reale Welt“, das ist natürlich nicht ganz korrekt. Augmented Reality (zu Deutsch: erweiterte Realität) heißt das Zauberwort.

Im Fall von Pokémon Go sieht diese Realität folgendermaßen aus: Richtet man das Smartphone auf einen bestimmten Bereich, sagen wir mal die Friedrichstraße in Berlin, erscheint auf dem Smartphone-Bildschirm die eben erwähnte Straße, aber mit ein paar virtuellen Ergänzungen. Beispielsweise einem Pikachu, das es zu fangen gilt. Dadurch werden die hiesigen Wälder, Wiesen und Städte im Nu von Pokémon bevölkert und die ehemaligen Kindheitsträume ein Stück weit real.

Ergänzend zur kostenlosen App kann man das von Nintendo entwickelte Wearable Pokémon Go Plus erwerben. Ein Armband, das über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden ist und den Spieler via LED-Signal und Vibration über das Spielgeschehen auf dem Laufenden hält. Per Knopfdruck können dann mit dem Armband Pokémon gefangen werden, die sich in der Umgebung befinden, ohne das Smartphone dafür extra zur Hand nehmen zu müssen. Dadurch ist es möglich, ein Pokémon zu jagen, obwohl man gerade in einem wichtigen Geschäftsmeeting festsitzt. Praktisch.

Soweit zumindest die Theorie – denn tatsächlich gespielt hat Pokémon Go bisher noch niemand. Aus Sicht eines waschechten Fans klingt das Anfang September vorgestellte Spielmodell beinahe zu schön, um wahr zu sein, beinahe nach einer Art Pokémon-Nerdvana. Entsprechend groß sind natürlich die Erwartungen an die App. Vielversprechend ist allerdings schon einmal, dass sich die Pokémon Company neben Nintendo auch Niantic, Inc. ins Boot geholt hat. Ein Entwicklerstudio, das ursprünglich als Google Startup gegründet wurde und vor allem durch den weltweiten Erfolg der App Ingress auf sich aufmerksam machte. Auch sie basiert auf dem Prinzip der Augmented Reality und wurde bereits über zwölf Millionen Mal heruntergeladen – hier sind also definitiv Experten am Werk.

Schonend für den Smartphone-Akku wird die App wegen der GPS-Technik allerdings nicht gerade sein. Zudem sammeln die Macher dadurch natürlich unzählige Daten, insbesondere zu Nutzerstandorten, was dem einen oder anderen ein Dorn im Auge sein dürfte. Auch über die einfache Integration des Spiels in den Alltag lässt sich natürlich streiten. Denn sich ein, mit einem Pokéball verziertes, Armband ans Handgelenk zu schnallen, erfordert schon ein gewisses Maß an Hingabe und Bekenntnis zum Pokémon-Universum.

Ob sich Pokémon Go also tatsächlich als Offenbarung für Pokémon Fans, als lustiger Zeitvertreib für jedermann oder als Endgegner des Smartphone-Akkus herausstellt, werden wir tatsächlich wohl erst 2016 erfahren. Ich für meinen Teil bin jedenfalls zuversichtlich und freue mich schon darauf, das Pokémon-Vergnügen vom heimischen Sofa in die Straßen Berlins zu verlagern, diese auf der Jagd nach Pokémon zu durchstreifen und Fremde und Freunde zum Kampf herauszufordern (nicht, dass sie eine Chance hätten).

In diesem Sinne: „Komm, schnapp‘ sie dir!“

Hinterlasse einen Kommentar