Phubbing: Menschen, die aufs Handy starren

Serie: Die Tücken moderner Kommunikation (Teil 5)

Mein bester Freund phubbt. Wann immer wir irgendwo sitzen, muss er sich mit irgendjemandem Nachrichten schreiben. Und er hat viele Freunde, denen er ständig schreibt. Bilder oder der letzte Klatsch werden hin und her geschickt. Natürlich nervt es. Immerhin sitze ich ja direkt vor ihm und möchten mit ihm sprechen. Teilweise schreibe ich ihm dann einfach per Whats app und erinnere ihn daran, dass ich mich vernachlässigt fühle. Dann grinst er und widmet mir seine Aufmerksamkeit.

Ihr wisst nicht was Phubbing ist? Der englische Begriff setzt sich aus dem Wort „phone“ und „snubbing“ zusammen und heißt auf Deutsch so etwas wie „Telefonzurechtweisung“. Phubbing beschreibt das antisoziale Surfen in Gegenwart von anderen. Ob Mails checken, youtuben, twittern, facebooken, qypen oder, oder … Das Smartphone ist ständiger Begleiter und nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Das ist nicht nur praktisch, sondern kann auch unhöflich sein – Phubbing eben. Den Begriff „Phubbing“ hat sich übrigens letztes Jahr die australische Werbeagentur McCann ausgedacht, um ein neu erschienenes Wörterbuch zu verkaufen. Der Trend wurde quasi für die Marketingkampagne erfunden und von Medien weltweit aufgegriffen. Der Coup flog auf, aber das Wort blieb.

Eine Freundin hat mir erzählt, dass wenn sie sich mit Freunden in einer Bar trifft, jeder sein Smartphone umgedreht auf den Tisch legen muss. Der oder die Erste, die auf ihr Handy guckt, muss die nächste Runde bezahlen. Genial! Aber wie fühlen sich eigentlich Menschen, die kein Smartphone haben? Es gibt tatsächlich noch ein paar Standhafte unter uns, die sich gegen das Massenphänomen wehren. Da jetzt selbst meine liebe Mutter ein iPhone besitzt, (zwar könnte sie in der Zeit, in der sie eine Nachricht verfasst auch genauso gut anrufen, aber sie ist dabei), muss die Zahl drastisch zurückgegangen sein. Wie es ohne Smartphone sein kann, veranschaulicht das YouTube-Video „I forgot my phone“, welches über 44 Millionen Mal angesehen wurde. Es zeigt wie die Freunde um die Protagonistin Charlene Momente im Leben verpassen, weil sie mit sich und ihrem Smartphone beschäftigt sind.

Ich habe auch ein Smartphone und bin sehr dankbar. Wie oft hätte ich mich ohne Google Maps schon verlaufen, wie oft Freunde versetzt, weil ich nicht Bescheid sagen konnte, dass ich mich verspäte. Trotzdem bleibt es in meiner Tasche, wenn ich mich mit Freunden treffe. Aus Respekt.

Und wie seht ihr das? Habt ihr oder wurdet ihr heute schon gephubbt?

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