Drei Wochen als Trainerin – mein Fazit zu Pokémon Go

Ich wollte schon immer Pokémon-Trainerin werden. Und plötzlich bin ich es tatsächlich – Pokémon Go macht’s möglich. Denn wie Millionen anderer Menschen weltweit widme ich mich derzeit mit Enthusiasmus der Suche nach den virtuellen Monstern. Gut drei Wochen können Spieler wie ich in Deutschland nun schon an der virtuellen Pokémon-Jagd teilnehmen. Langsam beruhigt sich das Internet wieder, der Hype flaut spürbar ab. Zeit für ein realistisches Fazit. Ist dies tatsächlich die App, von der ich und andere Pokémaniacs geträumt haben? Wie schlägt sich die App im Kampf „Erwartung vs. Realität“?

Gemeinsam auf Pokémon-Jagd

Zunächst einmal war ich extrem positiv überrascht von der Begeisterung meiner Mitmenschen. In meinem Freundeskreis interessieren sich plötzliche Leute für Pokémon, die früher außer Pikachu kein einziges aufzählen konnten. Ich habe deshalb seit dem Start der App einige schöne Stunden mit Freunden verbracht, in denen wir gemeinsam auf der Suche nach Pokémon durch Straßen und Parks getigert sind. Pokémon Go ist also durchaus ein Spiel, das sich für Gruppenaktivitäten eignet – das hatte ich so nicht erwartet. Um das gemeinsame Spielgefühl noch zu verstärken, würde ich mir allerdings noch weitere Funktionen wünschen, zum Beispiel die Möglichkeit, Pokémon untereinander tauschen zu können oder gegeneinander kämpfen zu lassen. Das Entwicklerstudio Niantic hat aber schon angekündigt, dass es diese Funktionen zukünftig geben wird – mehr Spaß ist also bereits in Sicht.

Aber nicht nur den Freundeskreis bringt das Spiel näher zusammen, auch mit Fremden kommt man ins Gespräch. Sei es an einer Arena, die man gerade versucht einzunehmen oder an einem der Pokéstops, bei denen man Pokébälle einsammeln oder – sofern sie mit einem Lockmodul ausgestattet sind – seltene Pokémon fangen kann. Zugegeben, meist beschränkt sich die Kommunikation auf verstohlene Blicke und ein kurzes Kopfnicken. Aber mit Aufhängern wie „In welchem Team bist du?“ und „Hast du das Pikachu auch grad gefangen?“ führt sich der Smalltalk beinahe wie von selbst. Auch hier würde ich mir allerdings eine Erweiterung der App wünschen, sodass die Avatare der anderen Trainer auf der Karte sichtbar sind und man sie über die App ansprechen oder zu einem Kampf herausfordern kann.

Fitnesswunder und Gefahrenquelle zugleich

Absolut klar ist mir nach dem dreiwöchigen Test übrigens, warum das Spiel Pokémon GO heißt. Denn man geht tatsächlich viel – treibt man sich nur vor der eigenen Haustür rum, wird man nämlich auch immer wieder dieselben Pokémon finden. Da steigt man schon gerne mal fünf Stationen früher aus der U-Bahn aus, um auf dem Heimweg noch ein paar Pokémon einzusacken. Seit dem Start der App habe ich deshalb überhaupt keine Probleme, auf die von Gesundheitsexperten empfohlenen 10.000 Schritte pro Tag zu kommen. Meinen Netflix-Konsum habe ich dagegen um circa 90 Prozent reduziert. Wer Pokémon fängt, hat eben keine Zeit zum Fernsehen.

Aber so gut die App für die Gesundheit zu sein scheint, birgt sie anscheinend auch die ein oder andere Gefahr. Aufgeregte Eltern und Großeltern warnen ihre Kinder und Enkel bereits, weil sie im Fernsehen gesehen hätten, dass sich Kriminelle an Orten aufhalten, an denen es seltene Pokémon zu fangen gibt, um dort unbedarften Pokémon-Trainern aufzulauern. Hinzu kommt, dass man durch den immensen Akkuverbrauch, den die App für sich beansprucht, nicht mal in der Lage wäre, Hilfe zu rufen, da der Akku bereits schlapp gemacht hätte. Mein Handy hält mittlerweile keine zwölf Stunden mehr ohne Aufladen. Zwar hatte ich mit einem gewissen Akkuverbrauch gerechnet, aber die App übersteigt hier meine kühnsten Erwartungen. Längere Fang-Touren sind ohne Powerbank leider undenkbar. Die realistischste Gefahr ist allerdings, durch das Spiel nicht mehr genügend auf die Umgebung zu achten. Leider gab es schon einige Trainer, die Uferböschungen hinunterkugelten oder – noch schlimmer – von Autos angefahren wurden. Ich versuche daher immer, die Pokémon auf dem Bildschirm und die reale Umgebung gleichermaßen im Blick zu behalten, was mir bisher gut gelingt. Und wenn ich das kann, dann können das alle.

Meine Wünsche für ein besseres Spielerlebnis

Gerade am ersten Wochenende nach dem Launch der App blieb einem aber häufig auch gar nichts anderes übrig, als seine Umgebung zu betrachten, denn die Server machten regelmäßig schlapp. Was nicht nur die Twitter-Gemeinschaft an den Rand der Verzweiflung brachte, sondern auch quengelnde Kinder und fluchende Erwachsene in hiesigen Parks mit sich führte. Mittlerweile scheinen die Server aber stabiler zu laufen. Vermutlich auch weil der erste Hype vorüber ist, und jeder die App jetzt mal ausprobiert hat. Was bleibt, sind die eingefleischten Fans, die nicht ruhen werden, bis sie alle 150 Pokémon gefangen haben – so wie ich! Allerdings ist das in Anbetracht der geringen Artenvielfalt der hiesigen Pokémon problematisch. Nach dem 20. Zubat und dem 100. Taubsi lässt der Enthusiasmus doch etwas nach. Oder habt ihr schon mal jemanden sagen hören: „Oh ein Rattfratz, das hab ich ja noch nie gesehen!“ Nein? Ich auch nicht. Eine größere Varianz oder weitere Pokémon – schließlich gibt es mittlerweile über 500 – wären wünschenswert, um die Spieler auch auf Dauer am (Poké)Ball zu halten.

Aber davon einmal abgesehen, wird Pokémon Go meinen Erwartungen durchaus gerecht. Derzeit lautet mein Fazit: Super! Sofern die eben erwähnten Funktionen hinzukommen und der Akkuverbrauch optimiert werden kann, wird daraus zukünftig vielleicht sogar ein: Perfekt!

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