LED-Lichterketten: Gefahr für die Netzhaut

Pünktlich zur Weihnachtszeit ist sie wieder da. Vom Wohnzimmerfenster aus blicke ich seit Kurzem erneut tagein, tagaus auf dieses Ungetüm – auf diese blaue, grell leuchtende Lichterkette, die Nachbars Balkon allabendlich in Klein Las Vegas verwandelt. Es ist kein normales Blau, das die Balkonbrüstung in der Dunkelheit zur Hyper-Erstrahlung bringt. Wie im Nebel verschwimmen die tausend kleinen Lichtlein ineinander. Schaue ich in das Lichtmonster hinein, fühle ich mich benommen – und frage mich: Können diese LEDs gefährlich sein?

Ich gehe meiner Frage nach und stoße auf die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, kurz BAuA. Die hat Lichterketten vor einiger Zeit genauer unter die Lupe genommen. Das Fazit: Lichterketten, die aus blauen oder weißen LEDs bestehen, können tatsächlich gefährlich werden. „Wer absichtlich aus kurzer Distanz länger als zehn Sekunden in diese schaut, kann seine Netzhaut gefährden“, warnen die BAuA-Experten. Schon nach dieser kurzen Zeit könne der Expositionsgrenzwert für die photochemische Netzhautgefährdung überschritten sein.

Aha! Also ist was dran an meiner Befürchtung!

Dass Nachbars Lichtinstallation aus blauen LEDs besteht, macht sie also in gewisser Art und Weise gefährlich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Glühlampen erstrahlen LEDs, also Leuchtdioden, nicht nur in Weißtönen, sondern decken so einige Töne der Farbpalette ab. Anstelle eines blauen Balkonfarbspiels hätte mein Nachbar auch ein rotes, oranges oder violettes wählen können. Weil er aber auf Blau gesetzt hat, heißt das für mich: Bloß nicht rüber gehen und sekundenlang in die monströse Lichterkette starren. Nun gut, vor hatte ich das eh nicht. Dennoch ist die Sache mit dem Hineinstarren gut zu wissen. Gesetzt den Fall, ein Kind bleibt mal wie hypnotisiert vor der Lichterkette stehen, werde ich wohl eingreifen müssen.

Doch nicht nur der Netzhaut können Lichterketten gefährlich werden. Im Dezember 2013 erlitt ein kleines Mädchen in einem Berliner Einkaufszentrum einen heftigen Stromschlag. Die Siebenjährige hatte in eine 240-Volt-Lichterkette gegriffen und musste prompt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zwar war die Kette mit einem Prüfsiegel versehen, jedoch die Isolierung an einer Stelle kaputt, so dass der Kupferdraht frei lag.

Und im Januar 2015 wurde es für ein Ehepaar im Landkreis München extrem gefährlich. Die beiden hatten die Lichterkette ihres Christbaums eingeschaltet. Kurz darauf erklang ein Zischen und das Licht ging aus. Christbaum und Wohnzimmer gerieten in Brand und Löschversuche, bei denen sich der Mann schwere Brandverletzungen zuzog, verliefen erfolglos. Zum Glück konnte die Feuerwehr den Flammen Einhalt gebieten. Nichtsdestotrotz entstand ein Brandschaden in Höhe von rund 50.000 Euro.

Damit euch derartiges Unglück nicht passiert, habe ich hier ein paar Tipps in puncto Lichterketten zusammengetragen:

  • Bevor ihr die Lichterkette in Betrieb nehmt, überprüft, ob Lichter und Isolierung einwandfrei sind.
  • Achtet darauf, dass ihr die Lichterkette nicht in der Nähe von leicht entzündlichen Dekoartikeln aufhängt.
  • Verwendet ihr die Lichterkette im Freien, muss sie dafür geeignet sein – und das Kürzel IP44 tragen.
  • Achtet auf das Prüfsiegel GS und kauft auf keinen Fall billige Lichterketten mit unklarer Herkunft.
  • Ein Transformator, der gefährlichen Wechselstrom in Gleichstrom wandelt, macht die Lichterkette sicherer.
  • Und last but not least: Leuchtet eure LED-Lichterkette weiß oder blau, starrt nicht sekundenlang hinein!

Na dann kann Weihnachten ja kommen.

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