Tipps für Eltern: Wenn sich das Kind ein Smartphone wünscht

Schon bevor sie laufen können, haben die meisten Kinder zum ersten Mal ein Smartphone in der Hand. In der Grundschule fangen dann oft schon die Diskussionen über ein eigenes Gerät an. Für eine Generation, die ohne diese digitalen Begleiter aufgewachsen ist, ist das keine leichte Situation. Soll man den Wunsch des Kindes erfüllen? Wann ist das richtige Alter für ein Smartphone? Und was muss ich alles beachten? Wir haben die wichtigsten Infos zum Thema zusammengestellt.

Smartphone-Nutzung von Kindern

Äußert das Kind den Wunsch nach einem eigenen Gerät, macht sich oft Ratlosigkeit breit. Andere Eltern werden konsultiert, um herauszufinden, wie die das handhaben. Auch ein Blick in aktuelle Erhebungen zur Mediennutzung von Kindern gibt Orientierung. Der Branchenverband Bitkom hat in seiner Studie „Jung und vernetzt“ folgende Zahlen für 2014 erhoben: Im Alter von sechs bis sieben Jahren nutzt ein Fünftel der Kids ein Smartphone. Hierbei handelt es sich aber vorrangig noch um die Geräte der Eltern. Erst mit etwa zehn bis elf haben die meisten ihr eigenes Gerät. 57 Prozent in dieser Altersgruppe nutzen ein Smartphone. Spätestens mit zwölf Jahren hat mit 85 Prozent die große Mehrheit einen solchen technischen Begleiter.

Chancen der Smartphone-Nutzung

Wie die KIM-Studie (2014) des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest herausgestellt hat, ist die Kommunikation mit den Eltern der Hauptgrund der Smartphone-Nutzung. Sie kann die innerfamiliäre Kommunikation verbessern: Eltern und Kind sind besser erreichbar, Missverständnisse können schnell geklärt und Notsituation besser gemeistert werden. Und auch Handyspiele, die von vielen Eltern argwöhnisch betrachtet werden, haben durchaus positive Aspekte: Die Kinder können mit Rollenbildern in Onlinespielen experimentieren, kreative Lösungen entwickeln oder sich auch einfach mal abreagieren. Wie bei den Erwachsenen auch kann es schnell passieren, dass die Kids die Zeit aus den Augen verlieren, wenn sie etwas tun, was ihnen Spaß macht. Hier ist es wichtig, einen zeitlichen Rahmen zu vereinbaren. Doch besser als etwas vorzugeben, ist es, gemeinsam Handynutzungszeiten zu vereinbaren und handyfreie Zeiten festzulegen. Klappt dies nicht, sollten Eltern mit ihrem Kind darüber reden, was sie stört.

Beachten Sie: Bevor Sie Ihrem Ärger Luft machen, ist es ratsam, auch mal die eigene Handynutzung ins Visier nehmen. Kann es sein, dass auch Sie Ihr Smartphone beim Essen stets griffbereit haben? Kinder imitieren das Verhalten ihrer Eltern – auch bei der Mediennutzung. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran – sonst verlieren die Anforderungen an Ihr Kind an Glaubwürdigkeit.

Risiken der Smartphone-Nutzung

Natürlich kann der Smartphone-Konsum auch Gefahren bergen – von Sucht über Mobbing bis hin zum Leistungsabfall in der Schule. Wenn Eltern mit ihren Kindern nicht mehr ins Gespräch kommen, diese wütend oder unruhig auf zeitweisen Entzug des Handys reagieren oder wenn der Kontakt zu anderen Kindern abbricht und andere Aktivitäten aufgegeben werden, ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen. Eltern können versuchen, das Interesse des Kindes für andere Tätigkeiten wieder zu wecken.

Tipp: Nützt alles nichts und Sie wissen nicht mehr weiter, holen Sie sich Unterstützung. Auch für das Thema Cyber-Mobbing sollten Sie Ihr Kind sensibilisieren. Wo fängt Mobbing an? Was kann das Kind dagegen tun? Hier ist es ratsam, beide Seiten zu besprechen. Schließlich gibt es bei jedem Mobbingopfer auch jemanden, der mobbt. Trotz der genannten Risiken, ein komplettes Verbot ist langfristig keine Lösung. Ein sicherer Umgang mit dem Smartphone ist eine Schlüsselqualifikation für die moderne Lebens- und Arbeitswelt. Kindern frühzeitig die nötige Medienkompetenz zu vermitteln, ist wichtig, damit sie verantwortungsbewusst mit den vielfältigen Angeboten digitaler Medien umgehen können.

Smartphone einrichten

Wann das Kind bereit für das erste Smartphone ist, kann man nicht konkret am Alter festmachen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass sich Ihr Kind mit der Funktionsweise und den Risiken des Internets auskennt und Sie ihm vertrauen können, was die Einhaltung von Absprachen angeht, sind das die besten Voraussetzungen. Grundsätzlich gilt: Umso jünger das Kind ist, desto mehr sollten Eltern es bei Ausflügen in die digitale Welt unterstützen. Je nach Alter kann es sinnvoll sein, das Smartphone entsprechend kindersicher einzurichten. Hier die wichtigsten Punkte, die Sie dabei beachten und mit Ihrem Kind besprechen sollten:

  1. Bewusstsein schaffen: Am besten ist es, dass neue Gerät gemeinsam mit dem Kind einzurichten. Eltern können so ein Bewusstsein für die Möglichkeiten und Risiken schaffen, zum Beispiel warum es besser ist, sich nicht in öffentliche WLANs einzuwählen oder sein Gerät mit einem Passwort zu schützen. Die Gelegenheit kann man auch nutzen, um zu erklären, warum man bestimmte Funktionen und Apps sperrt.
  2. Funktionen und Apps einschränken: Unter den Geräteeinstellungen kann man bestimmte Funktionen begrenzen, wie zum Beispiel den Zugriff auf das Internet, wenn man nicht möchte, dass das Kind im Netz surft oder App-Einkäufe tätigt. Hierbei helfen auch Apps wie Kids Place oder Kyte Phone. Die legen eine Maske über die normale Ansicht. Was die Eltern nicht erlaubt haben, bleibt verborgen.
  3. Jugendschutz-Apps nutzen: Solche Software kontrolliert den Internetzugriff, so dass nur der Zugang auf kindgerechte Seiten möglich ist. Je nach Alter des Kindes variiert, was erlaubt ist. Die einzelnen Apps unterscheiden sich in Funktionen und Umfang. Diese Übersicht kann bei der Auswahl des passenden Programms helfen.
  4. Kosten im Auge behalten: Mit Prepaidkarte oder Flatrate haben Sie die Kosten gut im Griff. Mit ersterer lernt das Kind, sich sein Guthaben einzuteilen. Bei der Flatrate ist es etwas freier, muss aber auch hier mit seinem Datenvolumen haushalten.
  5. Sensibel mit Daten umgehen: Vermitteln Sie Ihrem Kind, wie wichtig die Privatsphäre auch im Internet ist. Sensible Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer oder eigene Fotos sollten gar nicht oder nur unter Bestimmungen weitergegeben werden. Aber auch Daten und Bilder anderer dürfen nicht ungefragt weitergegeben werden. Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie keine fremden Inhalte ins Netz stellen und Daten und Bilder von anderen nicht ungefragt teilen dürfen.

 
Fazit: Übertreiben Sie es nicht mit der Kontrolle der Smartphone-Nutzung Ihres Kindes. Ein vertrauensvolles Verhältnis in Bezug auf die Mediennutzung ist wichtig. Schließlich soll sich ihr Kind bei Problemen, die damit einhergehen, an Sie wenden und nicht vor Angst lieber schweigen. Gute Tipps und Materialien zum Thema gibt es bei der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz klicksafe.de, beim Branchenverband BITKOM und bei der Initiative Schau hin!

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