Irrtümer rund ums Fahrradfahren

Die Fahrradsaison hat begonnen und schon habe ich mir den ersten Streit eingeheimst. „Die haben die Dynamopflicht im vergangenen Jahr gekippt“, meinte ein Freund zu mir. „Klar geht jetzt `ne Stecklampe als Fahrradlicht durch.“ Komisch, dachte ich. Stand damals nicht dick und fett in der Zeitung, dass Ansteckleuchten keine Dynamos ersetzen – trotz Wegfall der besagten Dynamopflicht? Grund genug, mich einmal schlau zu machen. Herausgekommen aus meinen Nachforschungen ist ein Überblick über die häufigsten Irrtümer rund ums Fahrradfahren:

1. Stecklichter ersetzen das Dynamo

Nicht unbedingt. Zwar gilt die Dynamopflicht seit August 2013 nicht mehr. Leichte Rennräder waren von dieser Regelung damals schon ausgenommen. Doch beim Verfassen der neuen Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), deren Ziel es war, akku- und batteriebetriebene Lampen an Rädern zu erlauben, haben die Gesetzesmacher geschlafen. Nach § 67 StVZO haben Radfahrer inzwischen zwar die Wahl, welche Energiequelle sie fürs Licht am Rad verwenden. Die Lichtmaschine muss jedoch eine Spannung von 6 Volt haben oder mit einer Batterie mit ebenso hoher Spannung oder einem wiederaufladbaren Energiespeicher ausgerüstet sein. Viele herkömmliche Steckleuchten weichen hier ab. Zudem müssen die Leuchten „fest am Fahrrad angebracht sein“ – eine missverständliche Formulierung. Ist angeklemmt schon fest angebracht? Hier muss der Gesetzgeber nachbessern. Gut zu wissen, dass die Polizei meist ein Auge zudrückt, wenn am Rad die falsche Beleuchtung prangt.

2. Musik hören auf dem Fahrrad ist verboten

Falsch. Radfahrer dürfen beim Fahrradfahren sehr wohl Kopfhörer tragen und ihre Lieblingsmusik hören. Sie müssen lediglich sicherstellen, dass sie den Straßenverkehr ausreichend wahrnehmen. Die Musik darf also nicht so laut sein, dass sie Warnsignale wie Straßenbahnklingeln oder Martinshörner überhören. Gleiches gilt für Autofahrer. Auch sie dürfen nicht mit wummernden Lautsprechern durch die Gegend düsen. Laut §23 Straßenverkehrsordnung (StVO) müssen Fahrzeugfahrer unter anderem dafür sorgen, dass ihr „Gehör nicht durch (…) Geräte“ beeinträchtigt wird.

3. Fahrradfahrer gehören auf den Radweg

Im Gegenteil. Fahrradfahrer gehören auf die Straße. Den Radweg müssen sie nur befahren, wenn er durch ein blaues Radwegschild gekennzeichnet ist. Zu ihrer eigenen Sicherheit sollten Radfahrer – sofern nicht anders ausgeschildert – auch besser auf der Straße fahren. Hier können Autofahrer sie viel besser sehen. Auch müssen Radfahrer einen ausgeschilderten Radweg nur dann benutzen, wenn dieser befahrbar und nicht etwa durch zerborstene Glasflaschen vermüllt oder durch Autos zugeparkt ist. Fahrräder mit Anhängern, die zu breit für den Radweg sind, dürfen jeder Zeit auf die Straße. Das gleiche gilt für Lastenräder.

4. Gibt es rechts keinen Radweg, dürfen Radler auf den linken

Falsch. Für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot, wie eben für alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Benutzen sie den Radweg auf der falschen Seite, gelten sie als Geisterfahrer, sind gefährlich und riskieren ein Bußgeld von 15 Euro. Einen Radweg auf der linken Seite dürfen Radfahrer nur befahren, wenn dies ein Schild anordnet. Ist das nicht der Fall, müssen sie auf der rechten Fahrbahnseite der Straße fahren, wenn es auf dieser Seite keinen Radweg gibt. Der Gehweg ist Tabu. Hier gehören nur Kinder bis zum Alter von zehn Jahren hin, es sei denn, der Weg ist durch ein Schild für Fußgänger sowie Radler freigegeben.

5. Radfahrer dürfen keine Hunde an der Leine Gassi führen

Irrtum. §28 StVO sagt: „Von Fahrrädern aus dürfen nur Hunde geführt werden.“ Damit steht fest: Radfahrer dürfen keine Katzen, Pferde oder Hamster an der Leine durch die Gegend führen. Hunde sind erlaubt. Allerdings sollten Radler mit Hund die Leine nicht ums Handgelenk wickeln oder am Lenkrad befestigen, sondern diese in der Hand halten. Falls der Hund plötzlich losrennt, könnte alles andere gefährlich werden.

6. Ohne Helm tragen Radfahrer Mitschuld an einem Unfall

„Dieser Irrtum hält sich hartnäckig, weil manche Richter die Schadenersatzansprüche von Radfahrern mindern, wenn die Kopfverletzung des Radlers durch das Tragen eines Helmes weniger schlimm ausgefallen wäre“, klärt die Stiftung Warentest auf. In so einem Fall bekomme der Radfahrer weniger Geld, aber für die Schuldfrage sei der Helm nicht relevant. Das Gesetz sagt ganz klar: In Deutschland müssen nur Fahrer von Krafträdern – also Mofa-, Moped- und Motorradfahrer – einen Schutzhelm tragen, Radfahrer nicht. Fahrer von E-Bikes oder Pedelecs müssen im Übrigen keinen Helm tragen. Nur für die schnellen S-Pedelecs mit einer Motorunterstützung von bis zu 45 km/h besteht die Pflicht, einen typgeprüften Kraftrad-Helm zu tragen.

7. Wer alkoholisiert Fahrrad fährt, verliert seinen Führerschein

Das stimmt so nicht. Fest steht: Wer mit 1,6 Promille oder mehr im Blut mit dem Fahrrad unterwegs ist, begeht eine Straftat. Auch schon mit einem weitaus geringeren Alkoholpegel können sich Radfahrer eine Strafanzeige einhandeln, wenn sie zum Beispiel Schlangenlinien fahren, Verkehrsregeln missachten oder in einen Unfall verwickelt sind. Ab 1,6 Promille kann die Straßenverkehrsbehörde jedoch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) – den sogenannten Idiotentest – anordnen und je nach Ergebnis den Führerschein einkassieren oder sogar ein unbefristetes Radfahrverbot aussprechen.

8. Nebeneinander Radfahren ist nicht erlaubt

Auch falsch. Zwar ist es meist sicherer, hintereinander zu fahren. Radfahrer dürfen aber durchaus nebeneinander fahren. Sie müssen lediglich darauf achten, dass sie die anderen Verkehrsteilnehmer nicht behindern. Grundsätzlich erlaubt ist Nebeneinanderfahren in Fahrradstraßen und auf der Straße, vorausgesetzt Radler sind in einer Gruppe von mindestens 16 Personen unterwegs.

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