Die Glasbruch-Klage gegen Apple und das iPhone 5

Die Spekulationen um das iPhone 5 sind vorbei. In dieser Woche wurde das neue Smartphone von Apple mit all seinen technischen Neuerungen vorgestellt. Die kaum überraschende Präsentation zeigte, dass auf die Gerüchteküche immer mehr Verlass ist. Fast alle erwarteten Veränderungen wurden umgesetzt, so auch das größere Display. Auf eine Front komplett aus Glas hat Apple auch diesmal nicht verzichtet. Daran konnten auch Beschwerden von Verbrauchern nichts ändern, die beklagten, dass das verwendete Material zwangsläufig zu Schäden führe. In den USA wurde eine Klage dazu gerade abgelehnt. Wir wollen uns mit Blick auf das neue iPhone den Fall noch mal anschauen.

Klage wegen Glasbruch

Die USA sind bekannt dafür, dass man mit ungewöhnlichen und für uns auch oft unverständlichen Klagen erfolgreich sein kann. Zu heißer Kaffee oder die Schäden jahrelangen Rauchens sollen schon dem ein oder anderen Kläger im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen ordentlichen Geldsegen gebracht haben. 2011 sorgte eine Klage gegen Apple für Wirbel. Ein US-Amerikaner hatte dem Konzern vorgeworfen, dass das Design des iPhone 4 mit seiner Glasvorder- und rückseite Schuld daran sei, dass das Gerät kaputt gehe.
Mit dem iPhone 4 – und später auch dem 4S – fand eine erhebliche Veränderung im Design gegenüber dem Vorgängermodell iPhone 3GS statt. Anstatt der Plastikrückseite zierte nun eine Glasrückseite das Smartphone. Apple präsentierte die Veränderungen als deutlichen Vorteil. So hieß es, das Glas sei 20 Mal stabiler als Plastik und äußerst resistent gegen Kratzer. An dieser Aussage störte sich der Kalifornier, dem sein iPhone 4 heruntergefallen und die Glasrückseite zerbrochen war. Er war der festen Überzeugung, mit dem Vorgängermodell wäre ihm das nicht passiert. Deshalb klagte er gegen Apple, deren Werbung er in diesem Zusammenhang für irreführend hielt. Der Klage schlossen sich weitere iPhone-Besitzer an. Die Sammelklage befasste sich mit dem Vorwurf, die Glasrückseite des iPhone 4 bzw. 4S würde die Kunden dazu zwingen, mehr Geld für Reparaturen auszugeben.

Das Urteil des Gerichts

Lange hatte sich das Verfahren hingezogen, nun kam das Urteil. Die Klage gegen Apple wurde abgewiesen. Auch der Verweis der Kläger auf eine Studie, die besagte, dass das Glas des iPhone 4 82 Prozent häufiger breche als die Plastikrückseite des Vorgängers, hatte scheinbar keinen Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts. Eines der Argumente für die Ablehnung war die allgemein bekannte Tatsache, dass Glas unter bestimmten Bedingungen eben brechen könne. Glasbruch gehöre heutzutage zum Leben. Ob eine eingeschlagene Glasscheibe, Steinschlag auf der Windschutzscheibe oder eben der Riss im Glas eines Smartphones – all das seien Folgen von Alltagssituationen, die das Leben so mit sich bringe. Auch auf die Verwendung einer Schutzhülle, um Glasbruch bei einem Sturz zu vermeiden, wies das Gericht ausdrücklich hin. Weiterhin konnte der Kläger nicht genügend Beweise gegen Apple vorbringen, die auf mögliche Verletzungen der Garantiebestimmungen oder Verstöße gegen Verbraucherschutzgesetze hinwiesen. Eine erneute Betrachtung der Klage schloss das Gericht nicht aus, sofern mehr Beweise für eine bewusste Täuschung durch Apple vorliegen. Der Tenor des Urteils ist aber sehr eindeutig: Smartphones können kaputt gehen, wenn sie zu Boden fallen.

Die Verwendung von Glas beim iPhone 5

Trotz des gewonnenen Verfahrens wäre es wünschenswert, dass Apple Verbraucherwünsche nicht ignoriert. Daher stellt sich die Frage, wie das neue iPhone aussieht und wie mit dem Thema Glas umgegangen wurde. Ein erster Blick auf das Design zeigt, dass das iPhone länger und dünner geworden ist. Damit einher geht ein größeres Display, demzufolge aber auch mehr Glas. An der Vorderseite hat sich nicht viel geändert, wie auch der direkte Vergleich der Apple-Daten zum Display zeigt.

iPhone 4S iPhone 5
Retina Display Retina Display
3,5″ Multi-Touch Widescreendisplay (8,89 cm Diagonale) 4″ Multi-Touch Widescreendisplay (10,16 cm Diagonale)
960 x 640 Pixel bei 326 ppi 1136 x 640 Pixel bei 326 ppi
Typisches Kontrastverhältnis: 800:1 Typisches Kontrastverhältnis: 800:1
Typische maximale Helligkeit: 500 cd/m2 Maximale typische Helligkeit: 500 cd/m2
Fettabweisende Beschichtung an der Vorder- und Rückseite Fettabweisende Beschichtung an der Vorderseite
Unterstützung für die Anzeige mehrerer Sprachen und Zeichen gleichzeitig Unterstützung für die Anzeige mehrerer Sprachen und Zeichen gleichzeitig

Insgesamt hat Apple den Glasanteil am Gehäuse jedoch reduziert. Die ehemalige gläserne Rückseite wurde überwiegend durch Aluminium ersetzt. Hierbei handelt es sich um das gleiche Material wie bei den Apple Notebooks. Oben und unten auf der Rückseite befinden sich Einlagen aus Glaskeramik beim weiß-silbernen Modell und aus pigmentiertem Glas bei der schwarz-graphitfarbenden Variante. Auch das Material der iSight Kamera wird als Besonderheit hervorgehoben. Die Oberfläche besteht nicht aus Glas, sondern aus Saphirkristall, dem zweithärtesten aller transparenten Materialien nach dem Diamanten. Dass die Oberfläche Kratzer bekommt, sei laut Apple somit sehr unwahrscheinlich.

Fazit

Warum Apple auf der Rückseite des iPhones 5 nun überwiegend auf Glas verzichtet hat, ist schwer einzuschätzen. Auf den ersten Blick wirkt das Smartphone nun – zumindest auf der Rückseite – resistenter gegen Stürze. Die Glasfläche vorn ist aber noch größer und damit anfälliger. Wie genau sich hier die Schadensquoten entwickeln, werden wir erst in einigen Monaten wissen, wenn die ersten Schadensmeldungen eintreffen. Wir sind gespannt, ob sich das neue iPhone bei Stürzen bewährt oder ob sich an der Zerbrechlichkeit nicht viel geändert hat. Erste Hinweise darauf, was mit dem iPhone 5 bei einem Sturz passiert, findet man sicher bald im Internet, wenn die ersten Fallvideos im Netz ihre Runde machen.

2 Kommentare

  1. Wilfried Gehr on

    Genau so war es bei mir. Ein Tag das neue IPhone 5 in der Tasche. Bestimmt nicht runter gefallen. Glas riss. Das ist doch nicht gut. Warum hab ich mich nur für das dünnding entschieden????

  2. Tja! Ich habe mein iPhone 5 seit zwei Tagen und schwubbs! Es fällt mir aus der Hand und das Display ist gebrochen! Bei meinem alten 3GS wäre das nicht passiert, dieses ist mir einige Male heruntergefallen und war nie kapput!
    So ein Apple schassss!
    Meine altes Gehäuse mit der neuen Technik bitte sehr!
    Ein Handy ist für mich ein Gebrauchs- und Arbeitsgegenstand. Fürs Museum habe ich andere Dinge.

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