Handy weg! Was nun?

Seit dem Smartphone-Boom hat auch der Diebstahl der begehrten Geräte stark zugenommen. Das schmutzige Geschäft scheint lukrativ: Laut Stern TV ist schon 3,5 Millionen Deutschen das Mobiltelefon geklaut worden. Inzwischen haben die vielen Meldungen über Handydiebstahl unser Bewusstsein geschärft. Das sehen wir bei assona auch am Anstieg der abgeschlossen Versicherungen, vor allem für die hochpreisigen Geräte. Doch wenn es uns dann selbst trifft, geraten wir erst mal in Schockstarre. Spätestens jetzt merken wir, wie unentbehrlich das Smartphone – privat wie beruflich – für uns geworden ist. Um euch da wieder rauszuholen, haben wir die wichtigsten Erste-Hilfe-Infos für euch zusammengetragen. Sie sollen euch helfen, weitere Folgen des Diebstahls zu verhindern.

Erste Maßnahmen: Anrufen und Bluetooth

Wenn ihr bemerkt, dass euer Mobiltelefon nicht mehr am gewohnten Platz ist, heißt es zunächst Ruhe bewahren. Ist der erste Schock überwunden, geht noch einmal in euch und überlegt, wo ihr das Gerät vielleicht abgelegt haben könntet. Keine Idee? Dann solltet ihr erst einmal versuchen, euer Telefon anzurufen. Manchmal löst sich das Problem ganz von allein, wenn es plötzlich in euer Tasche oder der Jacke klingelt oder aber ein ehrlicher Finder abnimmt. Ist das Gerät lautlos könnt ihr – allerdings nur in dem Fall, dass ihr es aktiviert habt – Bluetooth für die Suche verwenden. Mit einem Computer sucht ihr nach anderen Bluetooth-Geräten. Erscheint das von euch vermisste Telefon in der Liste, wisst ihr zumindest, dass es in der Nähe – maximal 100 Meter entfernt – und nicht über alle Berge ist. Jetzt heißt es suchen und hoffentlich schnell finden.

Eine Ortung muss vorbereitet sein

„Schnell mal das Handy orten“, das klingt ganz einfach, ist es aber nicht. Denn um einen solchen Dienst in Anspruch nehmen zu können, muss man vorausschauend gedacht haben. Nur wer sein Handy zur Ortung bei einem Dienst wie z.B. www.handy-ortung.org angemeldet oder eine entsprechende App installiert hat, hat eine Chance dieses Mittel nutzen zu können. Aber selbst dann funktioniert es nicht immer. Das Problem ist nämlich, dass eine heimliche Ortung gegen Datenschutzrichtlinien verstößt und strafbar ist. Daher wird, auch von professionellen Diensten, eine Zustimmung der Nutzer benötigt. Um diese zu erhalten, werden zum Teil mehrere SMS zur Freigabe geschickt. Schwierig und irgendwie auch widersprüchlich, wenn man selbst nicht im Besitz des eigenen Geräts ist. Die Polizei hat das gleiche Problem, auch sie ist zur Ortung nicht ohne Weiteres befugt. Nur wer sich im Vorfeld registriert, kann diese Hürde umgehen.

  • Recht unkompliziert ist die Ortung beim iPhone. Wer für sein iPhone einen iCloud-Account eingerichtet hat, kann diesen nutzen, um sein Telefon zu orten. Der Account ist kostenlos und wird über eine Apple-ID angelegt. Auf dem iPhone muss bei Einstellungen unter iCloud allerdings „iPhone suchen“ aktiviert sein. Dann könnt ihr auf der Website www.icloud.com nachsehen, wo sich euer Telefon gerade befindet. Die Kartendarstellung zeigt die aktuelle Position auf Google Maps an.
  • Für verschiedene Samsung-Modelle gibt es den Ortungsdienst Dive. Verliert ihr euer Smartphone oder wird es geklaut, könnt ihr es an einem Rechner orten, euch bei einem SIM-Kartenwechsel benachrichtigen lassen und dann am besten gleich alle Daten löschen. Aber auch hier muss die Einrichtung im Vorfeld erfolgt sein. Wie genau die Einrichtung funktioniert erfahrt ihr bei connect.

Sicher gibt es viele weitere Möglichkeiten euer Smartphone – nicht nur iPhones oder spezielle Samsung-Modelle – wieder zu finden. Habt ihr Erfahrungen oder gute Tipps, dann lasst uns und unsere Leser daran teilhaben!

SIM-Karte sperren

Bleibt euer Gerät unauffindbar oder ist klar, dass es gestohlen wurde, solltet ihr umgehend die SIM-Karte sperren lassen. So kann über euren Anschluss nicht mehr telefonieret werden und ihr könnt euch weiteren Ärger ersparen, denn Diebe könnten das Telefon auch für kriminelle Zwecke verwenden. Hierzu ruft ihr euren Netzbetreiber oder Provider an, bei dem ihr den Vertrag geschlossen habt. Dieser kann die SIM-Karte innerhalb weniger Sekunden sperren. Die meisten Anbieter haben hierfür spezielle Hotlines, die oft rund um die Uhr erreichbar sind. Die Nummer findet ihr auf der Internetseite der Anbieter oder in den Vertragsunterlagen. Manchmal ist es auch möglich, die Karte über das Online-Kundenportal selbst zu sperren. Zum Sperren benötigt ihr in der Regel eure Handynummer und die SIM-Kartennummer oder das Kundenkennwort. Auch per Mail, Fax oder direkt im Shop kann eine Sperrung erfolgen. Mehr zum konkreten Vorgehen und notwendige Kontaktdaten findet ihr auf den Websites der Provider, hier zum Beispiel für T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus.

Polizeiliche Anzeige

Nachdem die SIM-Karte gesperrt ist, solltet ihr umgehend zur Polizei gehen und Strafanzeige gegen unbekannt wegen Diebstahls stellen. Lasst euch von den Beamten eine Anzeigenbescheinigung oder zumindest die Tagebuchnummer der Anzeige geben. Denn wenn ihr den Schaden bei einer Versicherung geltend machen wollt, benötigt ihr einen Nachweis über die polizeiliche Anzeige. Hilfreich für die Polizei ist auch die „International Mobile Equipment Identity“ (IMEI), die man im besten Fall direkt nach dem Kauf notiert hat. Diese Seriennummer ermöglicht es, ein Smartphone einwandfrei zu identifizieren und seinem Nutzer zurückzugeben, beispielsweise, wenn das Gerät im Fundbüro oder im Rahmen polizeilicher Ermittlungen wieder auftaucht.

Diebstahlmeldung bei der Versicherung

Nach der polizeilichen Anzeige solltet ihr prüfen, ob möglicherweise Versicherungsschutz besteht. Je nach Ablauf des Diebstahls könnte eine Hausratversicherung (bei Diebstahl aus den eigenen vier Wänden oder bei einem Raubüberfall), eine Reisegepäckversicherung oder Ähnliches greifen. Im besten Fall habt ihr sogar einen Schutzbrief mit Diebstahlschutz für euer Smartphone oder Handy abgeschlossen. Meldet den Schaden umgehend eurer Versicherung, je nach Art variieren die Fristen für die Schadensmeldung. Was genau ihr dafür tun müsst, erfahrt ihr bei eurem Versicherer. Bei assona sollte die Diebstahlmeldung innerhalb von sieben Tagen eingehen. Seid ihr Kunden von assona, findet ihr den Ablauf hier.

Daten auf dem Smartphone löschen

In Zeiten, in denen wir unser halbes Leben auf unseren Smartphones ablegen, wird einem erst einmal mulmig, wenn man weiß, dass ein Fremder plötzlich alle unsere sensiblen Daten sehen kann. Viele Smartphones bieten die Möglichkeit, auch aus der Ferne auf die Daten zuzugreifen und sie zu löschen. Ähnlich wie bei der Ortung müssen spezielle Programme dazu vorher auf dem Telefon installiert sein. Bei manchen Geräten sind solche Funktionen bereits vorhanden, müssen aber aktiviert werden. Beim iPhone funktioniert das wieder über die iCloud und „iPhone suchen“. Dort kann man mit einem Klick „Fernlöschen“ aktivieren und das Gerät wird auf Werkeinstellungen zurückgesetzt. Für Android gibt es zum Beispiel die Anwendung Android Lost. Das verschwundene Smartphone kann darüber von einem Rechner aus geortet, gesperrt und die Daten gelöscht werden. Die Identifizierung erfolgt über euren Google-Zugang – Voraussetzung ist aber wie bei der Ortung auch eine Vorabinstallation.

Umgang mit den Informationen über den Dieb – Keine Selbstjustiz

Wie ihr seht, gibt es zum Finden des verloren Geräts und zur Ermittlung des mutmaßlichen Diebes heute einige Möglichkeiten und hilfreiche Apps. Auch kursierten schon viele Geschichten in den Medien, wie Leute mit Hilfe von Ortung oder App ihr Smartphone wieder gefunden haben. Erst jüngst ging ein Fall durch die Schweizer Presse, bei dem zahlreichen Partybesuchern die teuren Smartphones gestohlen wurden. Dank Ortung mit dem iPhone konnte der Dieb schnell aufgespürt werden. Auch Stern TV hat sich mit dem Thema beschäftigt und vor kurzem einen Test gemacht und sich bestehlen lassen. Anschließend wurde gezeigt, wie es möglich ist, den Täter mit Hilfe einer App zu überführen.

Doch auch wenn ein Programm Beweise wie die Adresse oder ein Foto des Diebes liefert, dürft ihr keine Selbstjustiz anwenden. Wenn ihr wisst, wer der Übeltäter ist, könnt ihr diesen zwar zur Rede stellen, solltet euch aber dessen bewusst sein, dass er aggressiv reagieren könnte. Also Vorsicht! Auch wenn euer Ärger groß ist, dürft ihr natürlich selbst nicht aggressiv werden, dass Smartphone gewaltsam entreißen oder ähnliches, denn das ist Nötigung und damit macht ihr euch selbst strafbar. Wendet euch also am besten an die Polizei, so könnt ihr sichergehen, dass der Diebstahl strafrechtlich verfolgt wird.

In einigen Erfolgsstorys spielen die Fotos eine Rolle, die mit Hilfe der vorher installierten Anwendung geschossen werden, zum Beispiel wenn der Dieb den Code falsch eingibt. Diese werden dann per App an den ursprünglichen Besitzer gesendet. Doch ein selbst initiierter Fahndungsaufruf mit den Fotos, zum Beispiel bei Facebook, ist rechtswidrig. Erlaubt ist es jedoch, das Bild bei der Polizei abzuliefern. Auch wenn manche Apps dazu verlocken, selbst Detektiv zu spielen, sollte man lieber auf Nummer sicher gehen. Zum einen um sich selbst zu schützen vor den Reaktionen des Täters und zum anderen, um keinen Ärger zu bekommen bei der Verwendung der sensiblen Daten. Also Finger weg von eigenmächtigen Aktionen! Bringt die gesammelten Daten lieber zur Polizei. Dann heißt es nur noch hoffen, dass die schnell reagiert.

Um im Ernstfall schnell reagieren zu können, findet ihr hier eine Infografik, was zu tun ist, wenn das Handy plötzlich weg ist:

infografik-handydiebstahl

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