Handy-Wasserschaden: Reparatur-Spezialist im Interview

Oh Schreck! Gerade steckte das Smartphone noch in der Hemdtasche – jetzt schwimmt es in der Toilette. Logisch, dass der Besitzer den mobilen Helfer flugs aus dem Wasser fischt. Doch wie geht es jetzt weiter? Im Internet geben sich User fleißig Tipps, wie sich ein nasses Mobiltelefon wieder in die Gänge bringen lässt. Doch so manch gut gemeinter Rat erweist sich im Nachhinein als recht schlechte Idee.

Im assona-Interview erklärt der Mobilfunk & Service Center-Betreiber Hasan Öztürk, was wirklich hilft, wenn das Smartphone einen Tauchgang hinter sich gebracht hat.

assona: Herr Öztürk, in Online-Foren empfehlen Nutzer, nass gewordene Handys in den Backofen oder auf die Heizung zu legen, um die Geräte wieder flott zu machen…

Hasan Öztürk: Das sind typische Tipps, die allesamt nicht helfen. Auch das Handy in die Sonne oder eine Schüssel voll Reis zu legen, wird es nicht retten – genauso wenig wie es trocken zu föhnen. Es wird immer Restfeuchtigkeit im Gerät verbleiben – und sich wie ein kleiner Virus ausbreiten.

assona: Ein Virus? Das klingt ja gefährlich.

Öztürk: Das ist es auch. Der kleinste Tropfen Wasser kann ein Handy zu Schrott machen. Selbst die geringste Menge Flüssigkeit breitet sich im Laufe der Zeit im Gerät aus und zerstört die Platine. Als Folge fällt dann höchstwahrscheinlich nach 14 oder 20 Tagen das Display aus oder das Mikrofon gibt den Geist auf. Solche Schäden können schon entstehen, wenn man im Bad oder im Regen mit dem Smartphone telefoniert. Wenn unsere Werkstattmitarbeiter solche Geräte dann zur Reparatur oder zur Begutachtung bekommen und aufschrauben, sehen sie am verfärbten Indikatorstreifen, dass Feuchtigkeit den Schaden verursacht hat.

assona: Handynutzer werfen den Herstellern bisweilen vor, dass sie die Wasserindikatoren absichtlich einbauen, um Garantieansprüche abwimmeln zu können.

Öztürk: Es ist schon richtig, dass die Garantie bei Feuchtigkeitsschäden nicht greift. Eine böse Absicht kann ich bei den Herstellern allerdings nicht erkennen.

assona: Stecken Handynutzer nicht in der Klemme, wenn sie Rotwein, Kaffee oder Limo über das Handy geschüttet haben? Die Garantie ist futsch und selbst reparieren scheint in der Regel nicht zu funktionieren.

Öztürk: Ein Wasserschaden ist schon das Schlimmste, was einem Handy passieren kann. Hier hilft nur der Gang zur Fachwerkstatt oder eine zusätzliche Schutzpolice für das Gerät, die bei Feuchtigkeitsschäden einspringt – zum Beispiel myProtect von assona.

assona: Jetzt müssen Sie uns aber noch verraten, wie der Fachmann ein nasses Handy wieder flott macht.

Öztürk: Wir setzen bei der Reparatur auf eine Alkoholmischung. Freilich bekommen wir nicht jedes Gerät wieder hin. Die besten Chancen haben wir, wenn uns das Handy in den ersten 72 Stunden nach dem Unfall erreicht. Mein Tipp, wenn das Handy Flüssigkeit abbekommen hat: Akku raus – wenn das geht – und bloß nicht nach zwei, drei Stunden im Trocknen nachschauen, ob es wieder funktioniert. Das gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Kurzschluss und das Gerät ist für immer hinüber.

assona: Und wie funktioniert das mit dem Alkohol?

Öztürk: Wir waschen quasi das Mobiltelefon damit. Aber nur an bestimmten Stellen des Geräts darf die hochprozentige Flüssigkeit zum Einsatz kommen. 24 Stunden lassen wir das Handy oder Smartphone dann ganz normal trocknen – nicht im Backofen, nicht in der Sonne und schon gar nicht auf der Heizung. Einem Laien rate ich allerdings davon ab, solch eine Reparatur selbst durchzuführen. Schlägt der Instandsetzungsversuch fehl, wird auch die beste Zusatzversicherung gegen Feuchtigkeitsschäden nicht einspringen. Hand anlegen darf eben nur der Fachmann.

Hasan Öztürk

Über Hasan Öztürk

Hasan Öztürk (35) leitet zusammen mit seinem Bruder Hüseyin Öztürk das Mobilfunk & Service Center Ecocep in Mönchengladbach. Die autorisierte Fachwerkstatt für Mobilfunkgeräte repariert nicht nur Smartphones oder Handys für assona, sondern fertigt auch Gutachten, zum Beispiel für Versicherungsstreitigkeiten oder die Staatsanwaltschaft, an. Hier erfahrt ihr mehr über Ecocep.

3 Kommentare

  1. Ja, wenn es da nicht eigene Erfahrungen und vor allem den eigenen Verstand gäbe. Akku raus ist das wichtigste. Dann wer kann, komplett auseinander nehmen. Und das mit dem Backofen: Der schafft auf kleinster Stufe bei mir die 45 Grad zu halten. (selbst gemessen) Ich war mit dem Smartie in Dubai und Domrep. Es war dort schon dauerhaft über 40 Grad und in Dubai sogar 45 Grad im Schatten. Wenn ich das S5 voll hernehme, wird es von allein auch mal so heiß. Also die Röhre ganz klein stellen, ca 4 h bei Umluft drinnen lassen und danach wieder zusammenbauen. So habe ich schon zwei Smarties gerettet. Wer allerdings eigentlich Pizza backen wollte, bei dem muss das schief gehen.

  2. Danke für den Beitrag, hatte selbst auch schon mit Wasserschäden zu kämpfen und habe etliche Bekannte, denen es ähnlich erging. Die meisten wussten nach dem „Unfall“ auch nicht, was zu tun war. Bei den Folgen waren die Ergebnisse völlig unterschiedlich; bei manchen funktionierte alles einwandfrei, bei anderen gab das Handy den Geist auf. Was den mystischen Reisbeutel angeht, habe ich aber gute Erfahrungen gemacht! Vom Föhnen, Mikrowelle etc. ist aber tatsächlich abzuraten ;).

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