Gift in der Handyhülle?

„Finger weg, giftig!“ warnt derzeit eine große Computerzeitschrift. Gesundheitsgefährdende Stoffe in Tastaturen, Smartphone-Hüllen, Kopfhörern und anderem Computer- und Handyzubehör haben die Macher des Magazins c’t in einer Laboruntersuchung gefunden. Das klingt übel. Ist meine Tastatur am Arbeitsplatz auch giftig? Allerlei Fragen schwirren mir durch den Kopf – Grund genug, um mich auf Recherche zu begeben. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen habe ich hier für euch zusammengetragen.

Stecken im Großteil des Handy- und Computerzubehörs jetzt giftige Substanzen?

Davon kann man nicht ausgehen. Zwar erwies sich ein Drittel der insgesamt 28 von der c’t ins Labor geschickten Produkte als bedenklich oder sogar als verboten. Jedoch hat die Zeitschrift ausschließlich Gegenstände untersuchen lassen, bei denen sie schon eine Vorahnung hatten. Auswahlkriterium war ein ungesunder Geruch. „Man muss kein Diplom-Chemiker sein, um zu wissen, dass das kein gutes Zeichen ist“, schreiben die Autoren. Auch Lebensmittelkontrolleure gehen nach dem Verdachtsprinzip vor. Kommt ihnen die Curry- oder Bratwurst komisch vor, nehmen sie eine Probe davon. Scheint alles in Ordnung, tun sie das nicht.

Ist es ein schlechtes Zeichen, wenn meine Handyhülle oder Tastatur einen chemischen Geruch verströmt?

Üble Gerüche können ein Indikator für gesundheitsgefährdende Stoffe im Produkt sein, müssen es aber nicht. Stinkt ein Gegenstand beispielsweise nach Mineralöl, könnten bei der Herstellung krebserregende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zum Einsatz gekommen sein. Andere gesundheitsgefährdende Stoffe wie die Weichmacher der Phtalat-Stoffgruppe und die verbotenen kurzkettigen Chlorparaffine (SCCP) lassen sich nicht erriechen. Von den sieben Handyhüllen, die die c’t-Autoren ins Rennen schickten, fanden sich beispielsweise nur in einer relativ hohe Mengen der stark toxischen Chemikalie Phenol – obwohl den Autoren zufolge etliche der Hüllen direkt nach dem Kauf einen sehr unangenehmen Geruch verströmten. Ihr Urteil: Offenbar handelte es sich beim Gros der üblen Handyhüllen-Gerüche nur um Lösungsmittelreste, die sich nach einigen Tagen von selbst verflüchtigen.

Was kann ich gegen unangenehme Gerüche tun?

Zumindest bei Produkten ohne Elektronik kann man gegen Mief etwas unternehmen. Einfach mit lauwarmem Wasser und Spülmittel abwaschen, empfiehlt die c’t, und danach drei bis vier Tage an der frischen Luft ausdünsten lassen.

Enthält Billigware besonders viel Gift?

Wer beim Kauf auf Nummer sicher gehen möchte, sollte dem Ergebnis des Tests zufolge besser auf Markenprodukte setzen. Insbesondere No-Name-Produkte fielen darin durch besonders hohe Schadstoffbelastungen auf. Echte Ausreißer gab es bei Markenprodukten dagegen nicht. Auch Verbraucherschützer halten nicht viel von Billigware. Sie raten, vor sehr billigen Produkten aus Sicherheitsgründen einen Bogen zu machen – vor allem dann, wenn noch nicht einmal ein Hersteller zu erkennen ist.

Warum stecken gesundheitsschädigende Stoffe überhaupt in Alltagsgegenständen?

Nur die wenigsten Chemikalien sind verboten. Und nur für wenige bedenkliche Stoffe existieren Grenzwerte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert, dass viele Stoffe in der EU nach wie vor erlaubt seien, obwohl man die Gefahren kenne. Zudem seien viele Stoffe noch nicht umfangreich auf ihre Risiken getestet worden. Das Chemikaliengesetz REACH soll das ändern, steckt aber noch in den Anfängen seiner Umsetzung.

Wie kommt es, dass immer wieder verbotene Stoffe in Produkte gelangen?

Dass Kontrollbehörden, Warentester oder – wie im Falle der c’t – beauftragte Labore in ihren Untersuchungen ab und an auf Produkte stoßen, die in der EU verbotene Chemikalien oder Chemikalien in unerlaubt hohen Mengen enthalten, ist schnell erklärt: Täglich gelangt massenhaft Ware aus aller Welt an europäischen Häfen an. Angesichts der großen Mengen können die Behörden nur stichprobenartig kontrollieren. Sind mangelhafte Sachen erst einmal in der EU, werden sie an den Landesgrenzen in der Regel nicht mehr kontrolliert – und finden ihren Weg in die Regale.

Wie finde ich heraus, ob in meiner Handyhülle Gift steckt?

Theoretisch ist das ganz einfach. Auf seiner Webseite stellt der BUND ein Online-Formular für die „Giftfrage“ bereit. Einfach Artikelnummer des Geräts – befindet sich unter dem Strichcode – eintippen, eigene Kontaktdaten ausfüllen und auf „Absenden“ klicken. Schon ist die Anfrage unterwegs zum Hersteller. Der ist verpflichtet, innerhalb von 45 Tagen darüber Auskunft zu geben, ob besonders gefährliche Stoffe in seinem Produkt zu finden sind. In der Praxis hat die Sache allerdings einen Haken: Nicht jedes Unternehmen erteilt Auskunft. Hier hilft nur, hartnäckig zu bleiben und eine erneute Anfrage zu starten.

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