Eine Revolution in der Welt der Fotografie

Ob mit einer kompakten Digicam, der stets einsatzbereiten Handykamera oder einer professionellen Spiegelreflexkamera – jeder hat seine eigene Vorliebe die schönsten Momente in Bildern festzuhalten. Doch egal ob Profi oder Laie – mit einem Problem kämpfen alle, dem Autofokus. Oft genug sind Fotos unscharf und anstatt auf dem eigentlichen Motiv liegt der Fokus auf dem Hintergrund. Wie praktisch wäre es doch, wenn man im Nachhinein noch ein wenig an der Schärfe drehen könnte. Mit der Lichtfeldfotografie ist dies bereits möglich, wird aber bisher eher in der Industrie und Forschung angewendet. In diesem Artikel stellen wir euch das Prinzip der Lichtfeldfotografie vor, das mit der Lytro-Lichtfeldkamera nun auch für den privaten Gebrauch einsatzfähig werden soll.

Ein kleines Technikwunder

Gerade mal vier Zentimeter misst die Lytro Lichtfeldkamera in der Länge und doch steckt so viel technische Innovation in der Kameraneuheit. Mit diesem Gerät wird ein Grundprinzip der Fotografie auf den Kopf gestellt, nämlich das Einstellen der Schärfe vor dem Auslösen. Dank der sogenannten Lichtfeldfotografie kann die Schärfe eines Fotos in der Nachbearbeitung verändert werden, entweder direkt am 1,5 Zoll-Display auf der Rückseite oder mit der passenden Software am Computer. Dabei muss der Nutzer sich nicht auf einen Fokus im Bild festlegen, sondern kann je nach Belieben die Aufnahme immer wieder verändern. Daher spricht der Hersteller Lytro auch von lebendigen Bildern. Mit der richtigen Software kann dies aber nicht nur der Fotograf, sondern auch alle späteren Betrachter des Bildes. Wer das selbst mal ausprobieren möchte, kann sich an den Beispielbildern austoben.

Wie funktioniert eine Lichtfeldkamera?

Bei einer Lichtfeldkamera wird das gesamte Lichtfeld um das jeweilige Motiv herum aufgenommen. Mit Hilfe eines Systems von mehreren Mikrolinsen werden mit einer Aufnahme Informationen über jeden einzelnen Lichtstrahl im dreidimensionalen Raum gespeichert. Ein Lichtfeld beinhaltet dabei alle Lichtstrahlen in jede Richtung sowie an jedem Punkt innerhalb eines dreidimensionalen Raums. Mit diesen zahlreichen Bildinformationen kann später zwischen zwei- und dreidimensionalen Bildern gewechselt sowie die Schärfentiefe verändert werden. Die Bilder sind generell zur dreidimensionalen Darstellung, z.B. auf dem 3D-Fernseher geeignet. Wer sich für die Technologie der Lichtfeldkamera interessiert, kann sich die Funktionsweise und auch das Innenleben der Kamera auf der Herstellerseite genauer anschauen.

Die Technologie der Lichtfeldfotografie steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. In den 1990er Jahren wurden die ersten Bilder auf der Grundlage dieser Technik aufgenommen. Dazu benötigte man allerdings noch bis zu 100 Kameras. Die bei der Lytro Lichtfeldkamera eingesetzte Lichtfeldtechnik ist bereits seit rund 15 Jahren bekannt. Bislang kam sie aber nur in sehr teuren Kameramodellen zum Einsatz und war damit professionellen Anwendern vorbehalten. Mit seiner Kamera möchte das US-Unternehmen Lytro, die Lichtfeld-Technologie nun auch dem Massenmarkt zugänglich machen. Das Startup ging im Jahr 2006 aus einer Forschungsgruppe der Stanford University hervor, die sich mit Lichtfeldfotografie beschäftigte.

Die Lytro-Lichtfeldkamera

Im Frühjahr 2012 soll der Verkauf der Lytro-Kamera beginnen, zunächst in den USA, später auch in Europa. Die ersten Nutzer brauchen allerdings einen Apple-Rechner, um ihre Bilder nachbearbeiten zu können. Die Software für weitere Betriebssysteme ist aber bereits in Arbeit. Die Lytro wird es voraussichtlich in drei verschiedenen Ausführungen geben. Drei Farben und zwei verschiedene Größen, 8 GB für etwa 350 Aufnahmen und 16 GB für 750 Fotos, stehen demjenigen, der die geplanten 300 bzw. 380 Euro berappen kann, zur Auswahl.

Mit einer Größe von 41 mm x 41 mm x 112 mm passt die Kamera in jede noch so kleine Tasche. Eine klassische Pixelangabe für die Auflösung gibt es bei der Lichtfeldkamera von Lytro nicht mehr. Bei dem neuartigen Gerät wird die Lichtfeldauflösung des Sensors in Megastrahlen, in diesem Fall „11 Megarays“, angegeben. Die Kamera verfügt über einen 8fach-Zoomobjektiv mit einer Lichtstärke von F2.

Obwohl die Kamera mit ihrer geringen Größe eher an eine Kompaktkamera erinnert, kann sie durchaus auch für Profis interessant sein. Nicht nur Hobbyfotografen wird ermöglicht, tolle Schnappschüsse aufzunehmen, ohne auf Fokus und Bewegung achten zu müssen. Auch Profis bietet sie den Komfort bei Motiven mit viel Bewegung, wie z.B. bei Sportveranstaltungen, nicht mit dem Fokus arbeiten zu müssen, sondern sich mehr auf das Motiv konzentrieren zu können.

Fazit

Mit der Lichtfeldkamera kommt sicher ein Modell auf den Massenmarkt, das den Beginn einer kleinen Revolution in der Fototechnik kennzeichnet. Die Art und Weise, wie Fotos aufgenommen und erlebt werden, wird sich laut Lytro damit grundlegend verändern. Doch neben all ihren Stärken und den mit der Lichtfeldkamera verbundenen Möglichkeiten gibt es derzeit auch noch den ein oder anderen Nachteil. Die Qualität der Bilder reicht bisher noch nicht an die einer Spiegelreflexkamera heran. Und auch der hohe Preis wird noch einige vom Kauf abhalten. Fans dieser Fotorevolution nehmen die Mankos sicher in Kauf. Und alle anderen Interessierten warten noch bis die Lichtfeldkamera erschwinglicher und die Technik noch ausgereifter ist.

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