Fatbikes – voll fett, voll grip, voll cool

„Die sind echt super! Da packst du jeden Untergrund.“ In etwa mit diesen Worten wollte mir vor Kurzem ein Redakteur einer Fahrradfachzeitschrift seine neuste Errungenschaft, ein Fatbike, schmackhaft machen. Ganz überzeugt von den echt fett bereiften Rädern hatte er mich zwar nicht. Dennoch musste ich kurze Zeit später feststellen, dass es die Bikes, die ursprünglich aus den USA kommen, auch hierzulande zu einer Fangemeinde gebracht haben – hat doch jeder gut sortierte Fahrradhändler ein solches Gefährt im Angebot. Grund genug für mich, die Trendbikes einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein Bike für alle Lebenslagen

Die Fahrräder mit den übergroßen, bis zu 4,8 Zoll breiten Reifen sind super geländetauglich und dämpfen Stöße allein durch den geringen Luftdruck. „2012 kamen die ersten Fatbikes nach Deutschland“, erzählt mir Daniel Schneider, der die Online-Plattform FAT-BIKE.DE betreibt. Der leidenschaftliche Fatbiker hat im Rahmen der Fatbike Transalp im Juni 2014 mit einem Freund auf dem Fatbike die Alpen überquert und dabei 400 Kilometer zurückgelegt und 12.000 Höhenmeter überwunden. Der 33-Jährige ist von den Breitreifenrädern überzeugt. „Das sind Bikes für alle Lebenslagen“, sagt er. „Wenn man einmal eins hat, fragt man sich, wie man vorher mit einem normalen Mountainbike zurechtgekommen ist.“ Gerade für Schnee und lockeren Sand seien die Bikes geeignet. Man sinke nicht ein und schwebe förmlich über den Untergrund, was der großen Auflagefläche der Reifen zu verdanken sei.

Was den Preis angeht, unterscheiden sich Fatbikes nicht von anderen Rädern. Hier gilt: Nach oben gibt es kaum eine Grenze. Wer ein solches Bike erwerben möchte, kann das für 500 Euro oder für 5.000 Euro tun – oder noch viel mehr drauf packen. Ebenso gilt: Je niedriger der Preis, umso anfälliger ist in der Regel die Ausstattung. Doch wie viel Geld muss ein Einsteiger für ein Fatbike hinlegen? „Für 1.000 Euro bekommt man schon ein solides Fatbike“, sagt Rad-Experte Schneider, der in seiner Freizeit mit einem Specialized Fatboy unterwegs ist – mal im Thüringer Wald, mal im Harz, mal in den Alpen.

Auch in puncto Gewicht können Fatbikes durchaus mithalten, zumindest mit den ebenso geländetauglichen Mountainbikes. Bei den Fatbikes stecken die Pfunde in den Laufrädern und im Rahmen. Ist dieser aus Carbon, schlägt das auf den Preis, macht das Bike aber um einige Kilo leichter. 9,1 Kilogramm: Auf dieses Gewicht brachte es das leichteste Fatbike, das Fatbike-Fan Schneider bisher unter die Augen gekommen ist. 12,4 Kilo bringt sein eigenes Rad auf die Waage, ähnlich viel wie ein herkömmliches Mountainbike.

Dicke Reifen, niedriger Druck: Wer denkt, mit einem Fatbike kommt man nur langsam vorwärts, liegt falsch. „Es ist ein Irrglaube, dass man mit dem Fatbike viel langsamer als mit einem herkömmlichen Mountainbike unterwegs ist“, erklärt Radexperte Schneider. Schließlich könne man den niedrigen Luftdruck für lange Asphaltpassagen leicht erhöhen. In dem Fall sei der Rollwiderstand nur minimal größer als bei einem Mountainbike. Und im Gelände überwiegen die Vorteile allemal. Mit einem Rennrad, so Schneider, dürfe man ein Fatbike allerdings nicht vergleichen. Mit dem könne es freilich nicht mithalten, wobei der Fahrer hier wohl auch eine entscheidende Rolle spiele.

Fette Reifen, fette Federung

Fatbikes schonen die Muskulatur, lerne ich bei meiner Recherche. Auf einem Fatbike ist der Tritt runder als auf einem Mountainbike, das an der hinten Gabel keine Federung besitzt. „Die fetten Reifen federn eine ganze Menge ab, so dass Erschütterungen nicht so auf den Körper gehen“, erläutert Fatbiker Schneider den Grund dafür. Ursprünglich waren Fatbikes zudem ganz ohne Federgabel konzipiert. Inzwischen existieren jedoch zahlreiche gefederte Modelle am Markt, die die Gelenke umso mehr schonen dürften.

Fatbike von Bulls I © Daniel Geiger

Fatbike von Bulls I © Daniel Geiger

Mein Fazit: Als stolze Besitzerin eines Damenrads – immer schön gemütlich unterwegs – werde ich mir sicherlich kein Fatbike zulegen. Die Begeisterung für die dick bereiften Räder kann ich nach meinem kurzen Ausflug in die Fatbike-Szene auf jeden Fall nachvollziehen. Also dann: Ab auf die Fettreifenräder, Jungs und Mädels!

3 Kommentare

  1. Mandy Kunstmann on

    Lieber René, da liegst du vollkommen richtig. Mein Damenrad reicht mir total aus. Ich bin einfach nicht der Spaßbike-Typ. LG

  2. Du kannst die Begeisterung nachvollziehen, wirst dir aber „sicherlich kein Fatbike zulegen“. Das passt für mich nicht ganz zusammen.

    Liegt es einfach daran, dass du kein „Spaßbike“ benötigst oder stört dich ein spezieller Fakt?

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