Brettspiele fürs iPad im Test

Mit den Fingern berühre ich kurz das iPad, schon kullern die Würfel übers Spielfeld und mein kleiner Hund rennt mit klingelndem Glöckchen geradewegs zur Schlossallee – sehr zur Freude meines Mitspielers, der im letzten Spielzug ein Hotel auf die Straße gebaut hat. Mit einem „Pling“ erscheint ein dickes Minus auf dem Bildschirm.

Monopoly

Die „Monopoly“-Version fürs iPad macht Spaß. Schnell gewöhnt man sich daran, die Software würfeln und Karten ziehen zu lassen. Die vom traditionellen „Monopoly“ bekannten Spielfiguren sind liebevoll animiert – jeweils mit unterschiedlicher Fortbewegungsart und individuellem Soundeffekt. Hier möchte auch die Werbeindustrie mitmischen: So wird im digitalen „Monopoly“-Spiel ein Toyota-Prius-Spielstein angeboten. Dadurch, dass die Figuren vom Computer versetzt werden, wird der Spielablauf schneller. Den digitalen Monopoly-Spielern wird beim Betreten der Straßen automatisch das Strafgeld abgezogen, was das Rechnen erspart. Allerdings fehlt auch das Gefühl von Stolz und  Überlegenheit, das ausgelöst wird, wenn man selbst Geldscheine und Eigentumskarten in der Hand halten und vor sich aufstapeln kann. So liegen sie unberührbar neben dem Spielfeld. Etwas ungewöhnlich ist, dass man in den Spieleinstellungen gefragt wird, ob man den Schummel-Modus einstellen möchte. Jeder Spieler kann diese Option einmal nutzen, was nur gleichberechtigtes Schummeln zulässt, aber man freut sich trotzdem darüber. Wer beim ständigen Raus- und Reinzoomen ins Spielfeld während des Spielens den Überblick verliert, der kann auf den ruhigeren und geringer animierten Tisch-Modus zurückgreifen. Hilfestellung geben soll der Lehrer-Modus, in dem der Computer die Spieler mit Tipps und Tricks unterstützt. Angenehm ist zudem, dass man das Spiel speichern und beliebig fortsetzen kann, ohne seinen Esstisch für das Spielbrett reservieren zu müssen.  

Weitere Brettspiel-Klassiker

Bei „Jenga“ gewinnt, wer am geschicktesten Holzsteine aus einem Turm herausschiebt. Die iPad-Version überzeugt mich hier jedoch weniger, da der Witz des Spielens verloren geht, wenn man nur auf den Stein im Display tippt und dieser sich entweder heraus drücken lässt oder andere Steine mitreißt. Vielleicht ist etwas Übung nötig, um ein Gefühl für die richtige Bedienung des Spiels zu bekommen.

„Scrabble“ unterscheidet sich auf dem iPad kaum von der Brettspiel-Variante. Mit dem Finger schiebt man die Buchstaben an den richtigen Ort und erfährt sofort, ob das gelegte Wort zulässig ist oder nicht. Somit erspart man sich hitzige Diskussionen. Zur Entspannung kann außerdem die selbst gewählte Musik beitragen. Die digitale „Scrabble“-Version ist auch für unterwegs geeignet, da die Steinchen nicht vom Brett fallen können.  

Kindheitserinnerungen werden beim Klassiker „Das verrückte Labyrinth“ geweckt. Die iPad-Variante macht am meisten Spaß, wenn man sie alleine spielt, da das Spielfeld auf dem Bildschirm sehr klein wirkt. Das Design der Kärtchen und Spielfiguren – Hexen und Zauberer – schafft allerdings eine märchenhafte Atmosphäre wie auch die Soundeffekte beim Finden der Schätze. Ärgerlich ist nur, wenn die kleine Hexe plötzlich durch ungenaue Bewegung der Finger in den falschen Weg des Labyrinths läuft.  

In dem digitalen Ravensburger-Spiel „Der zerstreute Pharao“ kämpft man als Thutmosis oder Snofru – mal mit, mal ohne Superkräfte – gegen Sandstürme und Skorpione, um die Schätze unter den Pyramiden zu finden. Es gibt keine großen Unterschiede zum Brettspiel, die kratzenden Geräusche beim Schieben der Pyramiden lassen die Suche jedoch realistischer wirken.

Was spricht für und gegen Brettspiele auf dem iPad?

Brettspiele auf dem iPad zu spielen, bietet allgemein viele Vorteile: So kann das iPad den Spielstand speichern, Punkte zusammenrechnen und die Spiele mit visuellen und akustischen Effekten aufpeppen. Außerdem sind die digitalen Brettspiele weitaus günstiger. Hinzu kommt, dass man mit einem Gerät eine Vielzahl an Spielen transportieren kann. Mit dem iPad gewinnen Brettspiele an Mobilität, wohingegen es schwierig erscheint, das „Monopoly“-Spielfeld in der U-Bahn auszubreiten. Angenehm ist zudem bei einigen Spielen eine interaktive Spielanleitung, die das Verständnis erleichtert.

Die größten Schwachstellen der iPad-Spiele liegen wohl derzeit im Mehrspieler-Modus, da ein Zusammenspiel vieler Mitspieler wegen des kleinen Displays oft kompliziert ist. Teilweise gibt es jedoch die Möglichkeit, mehrere Spieler online oder über Bluetooth einzubinden oder auch einfach das iPad weiterzugeben. Beispielsweise in der „Scrabble“-Version kann man mit zwei iPhones spielen und das iPad als Brett nutzen. Unkomplizierter und günstiger als die traditionelle Brettspiel-Form scheint diese Variante allerdings nicht zu sein.
Beim Spielen auf dem iPad sollte man darauf achten, dass man sich nicht direkt in die Sonne setzt, iPad-Display und Spielfreude werden ansonsten schnell getrübt.

Brettspiel trifft iPad, iPhone und iPod touch

Wer aber denkt, dass das iPad das Brettspiel verdrängt, irrt, denn auch Brettspiele können sich das iPad zu Nutze machen. So entwickelte der US-amerikanische Spielekonzern Hasbro mit dem bekannten „Spiel des Lebens“ in der speziellen „zAPPed Edition” ein Brettspiel, welches in der Mitte des Spielfeldes ein iPad, iPhone oder iPod touch integriert. Die digitale Erweiterung ersetzt beispielsweise Ereigniskarten, Glücksrad oder Würfel und soll laut Hersteller zu mehr Abwechslung und Interaktion führen.

Fazit

Das iPad bietet eine schöne Gelegenheit, die Spiele-Klassiker aus der Kindheit wieder aufleben zu lassen. Es verleiht Brettspielen einen digitalen Touch, sorgt für Abwechslung, Mobilität und originelle Effekte. Ob „Monopoly“, „Scrabble“ und weitere diverse Spiele-Klassiker in der iPad-Variante mehr Freude bereiten als ein Spieleabend mit klassischem Brettspiel und Diskussionen um das Zusammenzählen von Punkten oder die Existenz eines Wortes, kann jeder selbst herausfinden. Viel Spaß dabei!

Welche iPad-Spiele habt ihr schon getestet und welche Anwendung gefällt euch am besten? Was könnte noch verbessert werden? Mit welchem Brettspiel sollte man mal wieder einen Spieleabend veranstalten? Wir freuen uns über eure Kommentare!

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